Selbstmordanschlag in Haifa

5. Oktober 2003, 19:25
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20 Tote bei Explosion in Restaurant - Dutzende Menschen verletzt - Islamischer Dschihad bekennt sich zu Attentat

Jerusalem/Rom - Eine palästinensische Selbstmordattentäterin hat am Samstag in einem Restaurant der nordisraelischen Hafenstadt Haifa mindestens 19 Menschen mit in den Tod gerissen, unter ihnen mehrere Kinder. Nach Polizeiangaben wurden mehr als 50 Menschen zum Teil schwer verletzt. Zu dem Attentat bekannte sich die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.

Alle Opfer identifiziert

Die Opfer des Bombenanschlags sind identifiziert. Wie der israelische Rundfunk am Sonntagmorgen berichtete, sind unter den 19 Toten zwei Familien mit jeweils fünf Angehörigen. Beide Familien verloren je zwei Kinder, das jüngste erst 14 Monate alt. Bei dem Anschlag starben auch zwei Sicherheitsleute, die am Samstag das voll besetzte Restaurant hatten schützen sollen.

37 der insgesamt rund 50 Verletzten lagen noch in Krankenhäusern. Der Zustand von einem der Verletzten wurde als kritisch beschrieben, fünf weitere befanden sich in ernstem Zustand.

"Menschliches Schutzschild" für Arafat

Wie es weiter hieß, will die israelische Regierung nicht unmittelbar gegen Palästinenserpräsident Yasser Arafat vorgehen. Internationale Solidaritätsgruppen, darunter auch Israelis, bildeten in der Nacht einen "menschlichen Schutzschild" vor dem Amtssitz Arafats in Ramallah. Am Sonntagabend beginnt in Israel der Versöhnungstag Yom Kippur, der höchste jüdische Feiertag.

Die israelische Armee zerstörte in der Nacht das Haus der Selbstmordattentäterin in Jenin im Westjordanland. Zu dem Terroranschlag hatte sich die radikal-islamische Organisation Islamischer Jihad bekannt.

18-jährige Attentäterin

Bei der Attentäterin handle es sich um die 18-jährige Palästinenserin Hanadi Taissir Jaradat aus Jenin im Westjordanland, teilte der Islamische Dschihad in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AFP mit. Die junge Frau drang den Angaben zufolge in das von israelischen Arabern geführte Restaurant "Maxim" in Haifa ein und zündete dort den am Körper befestigten Sprengsatz. Das zum Zeitpunkt des Anschlags vollbesetzte Lokal in der Nähe eines beliebten Strandes wurde innen völlig zerstört.

Die Europäische Union wandte sich "entschlossen" gegen die jüngste Gewalt, wie die EU-Außenminister in einer Erklärung in Rom mitteilte. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) erklärte den Angehörigen der Opfer das Beileid der deutschen Regierung. Alle in Rom versammelten Außenminister seien "entsetzt und schockiert", sagte er. Über die Zukunft der Friedensbemühungen im Nahen Osten seien die Minister nun "extrem besorgt". In Brüssel erklärte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, für den Anschlag gebe es "keinerlei Rechtfertigung".

"Teuflischer Akt des Terrors

US-Präsident George W. Bush sprach sich in Washington gegen den "teuflischen Akt des Terrorismus" aus, der erneut die Verantwortung der Palästinenserführung für die Terrorbekämpfung unterstreiche. Der französische Außenminister Dominique de Villepin verurteilte den "verabscheuungswürdigen" Anschlag in einer gesonderten Erklärung. Der ebenfalls in Rom anwesende britische Premierminister Tony Blair zeigte sich "getroffen" von der Attacke.

Generalstabschef Moshe Yaalon kündigte noch für den Abend harte Vergeltung an. Der israelische Militärrundfunk berichtete, derzeit berate Sharon mit Militärs die mögliche Vorgehensweise. Arafat solle jedoch zunächst nicht das Ziel einer Aktion werden. Die Armee hatte aus Furcht vor Anschlägen an Yom Kippur die Autonomiegebiete von Freitag bis Montagabend vollständig abgeriegelt.

In einem Flüchtlingslager in Tulkarem im nördlichen Westjordanland erschossen israelische Soldaten nach Armeeangaben ein Mitglied der El-Aksa-Brigaden, dem militärischen Arm von Arafats Fatah-Bewegung. Bei der Aktion wurde nach palästinensischen Angaben zudem ein neunjähriger Bub getötet. (APA/AP)

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    Das Restaurant Maxim wurde bei der Explosion völlig zerstört

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    Der Bruder und ein Cousin der Attentäterin Hanadi Taissir Jaradat wurden am 12. Juni von der israelischen Armee getötet

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