Federer: "Spiele überall für den Sieg"

8. Oktober 2003, 11:24
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Der Wimbledon-Champ in Wien topgesetzt, seine Kuh muss warten

Der 22-jährige Roger Federer, die Nummer drei der Weltrangliste, hat heuer Wimbledon gewonnen, trägt also einen Adelstitel. Bei der CA-Trophy in Wien ist der Schweizer topgesetzt. "Ich spiele überall für den Sieg", sagt er. Für seine Kuh Juliette hat er zu wenig Zeit, weil in ihm "noch Tennis schlummert".


Wien - Juliette, der braungefleckten Kuh, geht es angeblich gut. Auf einer Alm droben in Gstaad lässt es sich superb weiden und wiederkäuen, denn dort ist das Gras mindestens so grün wie jenes in Wimbledon. Roger Federer musste den Kontakt zu der Dame gleich nach dem Kennenlernen abbrechen, das Herrl ist zu beschäftigt. Juliette war ein Geschenk. Überreicht wurde es, natürlich nicht eingepackt, sondern lediglich mit Blumen aufgeputzt, am 7. Juli 2003, dem Tag nach dem Wimbledonsieg gegen Mark Philippoussis. Schweizer schenken berühmten Schweizern zu besonderen Anlässen halt eine Kuh. "Würde es ihr schlecht gehen, wüsste ich es."

Federer ist diese Woche ohne Juliette, dafür mit Freundin/Managerin Miroslava Vavrinec und Trainer Peter Lundgren in der Wiener Stadthalle beschäftigt. Er hat logischerweise vor, seinen Titel bei der CA-Trophy zu verteidigen. "Mein Ziel kann nur der Turniersieg sein. Das gilt überall auf der Welt." Diese Feststellung habe nichts mit Großkotzigkeit zu tun, "sondern mit der richtigen Einschätzung meiner Fähigkeiten".

Federer trägt seit dem 6. Juli einen Doppelnamen, er heißt "Wimbledonsieger" Federer, das klingt nicht nur im Tennis weit bedeutender als zum Beispiel "Professor" Franz Antel in der Filmszene. "Es hört sich gut an. Der Titel verschwindet wieder, sollte es 2004 einen anderen Sieger geben. Deshalb brachte mich der Erfolg überhaupt nicht aus dem Konzept. Er brachte mich einen Schritt vorwärts. Mangelndes Selbstbewusstsein war auch davor nie mein Problem."

Natürlich sei er hin-, her-und wieder hingereicht worden, die Zeit, sagt Federer, "ist eingeschränkter, aber auch wertvoller geworden". Er habe gelernt abzuschalten. "Ferien sind jetzt wirklich Ferien. Ich jammere sicher nicht über den Stress." Sein Potenzial habe er gewiss noch nicht ausgeschöpft, "ich bin jung, hatte keine gröberen Verletzungen, spüre enorme Reserven".

Fachleute, von Günter Bresnik auf- und abwärts, bezeichnen Federer als "Genie", das "jedem Vergleich mit Pete Sampras" standhalte. "Das freut mich. Ich stehe am Anfang, er hat bereits das Ende hinter sich. Es schaut bei uns beiden einfach aus. Mein Problem war, dass ich ein zu großes Repertoire an Schlägen draufhabe. Da vergaß ich oft, rechtzeitig eine Entscheidung zu treffen. Schön langsam bekomme ich das in den Griff."

Abgesehen davon habe es Sampras auf 14 Grand-Slam-Titel gebracht. "Ich halte bei einem. Es ist nicht davon auszugehen, dass ich ihm nacheifern kann. Die Dichte ist enorm. Die Karrieren werden deshalb zwar nicht kürzer, aber erfolgloser werden." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 6. Oktober 2003, Christian Hackl)

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