Leseverhalten

4. Oktober 2003, 00:26
posten
Die großen Verlage haben in letzter Zeit die Tendenz, ihre Bücher über Skandalisierung zu verkaufen. Der Intellektuellenverlag "Ad marginem" produziert allen möglichen Skandalmüll. Es ist nicht sicher, wie weit der Pornografieskandal rund um Vladimir Sorokin, der dort verlegt wird, inszeniert war. Der Verlag soll sich durch diese Inszenierung zwei Millionen € an Werbekosten erspart haben.

Zu beobachten ist ein Trend zur Unterhaltungsliteratur, Fachbüchern, Boulevardzeitschriften und vor allem Krimis, sei es weil dieses Genre in der Sowjetunion verboten war oder weil man - wie Sergej Jesin glaubt - wenigstens im Buch den Sieg über das rundum wuchernde Verbrechen "erlesen" kann.
Krimis werden von Frauen und Männern gelesen. An zweiter Stelle der Lesergunst stehen (von Frauen gelesene) Frauenromane. Auf dem dritten Rang finden sich (von Männern gelesene) Science Fictionromane, die in der Auflage hinter den beiden anderen zurückstehen, weil Frauen auch in Russland mehr lesen als Männer.

Während bei den Krimis die eigene Produktion überwiegt, dominiert bei der sogenannten "guten Literatur" die Übersetzung westlicher Produkte. Dies im Unterschied zum Beginn der 90er-Jahre, wo man die in der Sowjetunion verbotene Literatur "nachlas". (sed, DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 4./5.10.2003)
Share if you care.