Papst reist trotz schwerer Leiden

5. Oktober 2003, 17:37
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Johannes Paul II nähert sich den letzten Tagen seines Lebens, hieß es irrtümlich - nun wurden Audienzen für Oktober bestätigt - mit Grafik der Erkrankungen

Rom/Wien - Im täglichen Pressebulletin des Vatikans gibt es keinerlei Referenz auf die Spekulationen der vergangenen Tage: Trocken teilte der Heilige Stuhl mit, dass Johannes Paul II. bei seiner Audienz am Freitag unter anderem den libanesischen Außenminister Jean Obeid und den polnischen Premier Lezek Miller empfangen hatte. Bereits tags zuvor wurde aus Kurienkreisen bekannt, dass alle Termine des Papstes im Oktober bestätigt seien. Auch eine Reise, kommenden Dienstag zum Heiligtum der Seligen Jungfrau Maria vom Hl. Rosenkranz nach Pompeji, stehe auf dem Programm.

Dennoch zogen die später als "philosophisch" relativierten Worte Christoph Kardinal Schönborns vom Donnerstag ("Der Papst nähert sich den letzten Tagen und Monaten seines Lebens") weite Kreise. Unter anderem die Londoner BBC, der Mailänder Corriere della Sera und die New York Times widmeten den Äußerungen des Wiener Erzbischofs breiten Raum.

Weinender Ratzinger

Josef Kardinal Ratzinger, der vor einigen Tagen mit einer ähnlich gelagerten Aussage zum Gesundheitszustand des Papstes zitiert worden war, habe geweint, weil seine Anmerkungen von der deutschen Illustrierten Bunte verzerrt wiedergegeben worden seien, erklärte indes der Privatsekretär des Papstes Erzbischof Stanislaw Dziwisz.

Das Blatt hatte Ratzinger am Dienstag mit den Worten zitiert: "Es geht ihm schlecht . . . Wir sollten für den Papst beten." Dziwisz erklärte, anders als von Bunte behauptet, habe Ratzinger der Zeitschrift kein formelles Interview gegeben und sei von der Wirkung seiner Worte tief betroffen gewesen: "Er hat lediglich zu jemandem, den er auf der Straße traf, gesagt: ,Wenn der Papst krank ist, bete für ihn.'"

Kandidat für den Friedensnobelpreis

Ob nun todkrank oder nicht: Johannes Paul II. wird jedenfalls als aussichtsreicher Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt, der kommenden Freitag in Stockholm vergeben wird. (pra, DER STANDARD Printausgabe 4/5.10.2003)

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    Der Papst arbeitet weiter trotz zahlreicher Krankheiten

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