Neues Polizeimagazin macht Chefs nervös

3. Oktober 2003, 22:24
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Versetzung wegen kritischer Kolumne - Gewaltige Aufregung schon vor der Veröffentlichung

Wien - Es flattert dieser Tage allen Dienststellen der Exekutive ins Haus und sorgte schon vor Veröffentlichung für gewaltige Aufregung bei Polizei und Gendarmerie. Nein, ausnahmsweise handelt es sich nicht um eine Anordnung von "ganz oben", sondern um das neue Fachmagazin Kriminalpolizei, herausgegeben von der erst im Mai gegründeten Vereinigung österreichischer Kriminalisten.

In der ersten Ausgabe wird unter anderem heftig gegen die Polizeireform von Innenminister Ernst Strasser (VP) vom Leder gezogen. So mutiert beispielsweise der Wiener Kripochef Roland Horngacher in einer Karikatur zu Napoleon auf dem Schlachtfeld von Waterloo.

Kein Wunder also, dass es bereits im Vorfeld Unmutsäußerungen aus Chefetagen gegeben hatte. Und auch zumindest eine personelle Konsequenz: Der Wiener Suchtgiftfahnder Herbert Windwarder, der die Kolumne "Kieberer-Blues" schreibt, wurde aus der Kriminaldirektion 1 in ein Kriminalkommissariat zurückversetzt. In seinem trotzdem erschienenen Artikel "Angst motiviert nicht", kritisiert Windwarder, dass die personellen Maßnahmen im Zuge der Kriminaldienstreform zu "Verunsicherung" geführt haben. In "Mitarbeitergesprächen" seien gestandene und seit Jahren erfolgreiche Beamte "wie Rotzbuben" behandelt worden.

An anderer Stelle kommen Personalvertreter von SPÖ, ÖVP und FPÖ zur Reform zu Wort. Einstimmige Einschätzung: "Der Kriminaldienst steht knapp vor dem Zusammenbruch." Und wie Franz Sonnleithner als Vertreter der VP-Fraktion FCG es ausdrückt: "Von der eigenen Partei über den Tisch gezogen."

"Wir sind kritisch, objektiv, überparteilich und verstehen uns als Plattform für alle Kriminalisten Österreichs", sagt Kriminalpolizei-Chefredakteur Ferdinand Germadnik. Fast die gesamte Redaktion, darunter auch Alfred Ellinger, der Vizepräsident des Landesgerichtes Eisenstadt, war früher für das traditionsreiche Magazin Der Kriminalbeamte tätig. Weil dort aber inzwischen die Meinungsvielfalt auf Sparflamme köchelt, kam es zur Neugründung. Kriminalpolizei soll sechsmal pro Jahr erscheinen und hat ein monatlich aktualisiertes Internetportal. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 4/5.10.2003)

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