Digitale Plagen des ORF

13. Oktober 2003, 16:21
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Die Zukunft des Fernsehens ist digital. Das macht sie für den ORF noch lange nicht rosig ...

Die Zukunft des Fernsehens ist digital. Das macht sie für den ORF noch lange nicht rosig. Im Gegenteil: Allerorten lauern Ärgernisse und Bedrohungen auf die Anstalt. Dass billige Werbefenster von Sat.1 und Co. ihr potenzielles Publikum auf 80 Prozent der österreichischen Seher verdoppeln können, muss dem ORF-Management Sorgen machen.

Ärger hat die Anstaltsleitung auch mit ihrem großen Renommierprojekt, ORF 2 über Digitalsatellit europaweit und unverschlüsselt auszustrahlen. Unerschwinglich für den Küniglberg, deshalb die Europarechte für Serien oder etwa Pilcher-Verfilmungen aufzukaufen. Ersetzt sie der ORF durch andere Sendungen, gilt diese Version von ORF 2 aber als weiteres Programm des ORF. Und dafür fehlt die gesetzliche Grundlage.

Ließen Regierungspolitiker erst Sympathie durchklingen, hört man nun schroffere Töne. Der gelernte Österreicher schließt auf Wünsche der Politik an die ohnehin nicht gerade feindselige Anstalt. So fulminant die ÖVP mit dem ORF die Nationalratswahl gewann, so wenig berauschend die Ergebnisse in Oberösterreich und Tirol - Salzburg, Kärnten, Vorarlberg und Präsidentschaftswahl stehen bevor. Alleine am kolportierten Wunsch vom Ballhausplatz, einen Mitarbeiter in den obersten Stock der Anstalt zu exportieren, kann doch nicht ein Satellitenprojekt hängen, wie nötig auch immer für ORF und Österreich.

Interessant ist, dass der Vorsitzende des entpolitisierten ORF-Stiftungsrates, Klaus Pekarek, gegen eine Gesetzesänderung eintritt, weil die einen Rattenschwanz weiterer Wünsche bescherte. Ein Gutteil äußerte der ORF selbst, dessen Wohl er als Aufsichtsratschef verpflichtet ist. Medienpolitisch ist es ja durchaus vernünftig, Wünschen nach mehr Werbemöglichkeiten des ORF und von Medienriesen im Fernsehen vorzubeugen. (DER STANDARD; Printausgabe, 4./5.10.2003)

Von Harald Fidler
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