Neues Shopkonzept am Flughafen Wien

10. Oktober 2003, 20:00
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Geänderte Kundenbedürfnisse und der Trend zu immer weniger Bordverpflegung verlangen auch vom Flughafen Wien ein neues Shopkonzept

Wien - Der Flughafen Wien rüstet sich für neue Kundenbedürfnisse. Nachdem das Kaufhaus Harrods Ende September geschlossen wurde, wird nun ein Teil der Fläche zur Erweiterung der Boarding-Pass-Kontrolle genutzt, auf die verbleibende Fläche kommen neue Shops. Welche das sind, darüber will Flughafen-Chef Herbert Kaufmann noch nichts sagen. Fest steht aber, dass sich das Centermanagement am Flughafen nach den geänderten Kundenbedürfnissen richten müsse. So gelte es auf die Passagierwünschen der nach Wien drängenden Billigairlines zu reagieren und zugleich vorzusorgen, wenn die AUA künftig auf etlichen Flügen keine Verpflegung mehr anbietet. Konkret heißt das, neue Flächen für den Verkauf von Lunchpaketen bereit zustellen. Von den 8,3 Mio. Passagieren die bis August in Wien abgefertigt wurden, gingen bereits 400.000 auf das Konto der Billigairlines wie Air Berlin, Germanwings, Germania Express oder BA City.

Innerhalb des Transit Bereichs wird es durch den Beitritt der zehn osteuropäischen Kandidatenländer zur EU zu Veränderungen kommen, weil die Passagiere ab Mai auch an den EU- Schaltern abgefertigt werden.

Mietverträge nicht verlängert

All das war mitentscheidend, dass der Flughafen die Mietverträge von insgesamt 13 Shops, die der indische Geschäftsmann Rakesh Sardana betreibt, nicht verlängerte. Man habe aber auch das "Vertrauen in die Zusammenarbeit verloren", meinte Kaufmann. Da Sarana die Geschäfte nicht räumte, wurden Räumungsklagen eingebracht. Betroffen davon sind 13 Shops, davon drei Souvenir-Geschäfte, drei Kaviar-Häuser, die Krawattenboutique Tie Rack, das Schokoladengeschäft Neuhaus, Gugis sowie Büroflächen. Sobald die Flächen geräumt sind, wird das Centermanagement die Flächen neu ausschreiben. Wann das soweit ist, sei derzeit nicht abschätzbar, so der Flughafen-Chef im Standard-Gespräch.

Aus heutiger Sicht verschiebe sich der Bau der dritten Piste um zwei Jahre auf 2012. "Wir brauchen die dritte Piste, wenn wir 72 Bewegungen pro Stunde überschreiten, dass waren unsere Prognosen vor dem 11. September 2001", argumentiert Kaufmann. Weil die Terroranschläge etwa zwei Jahre Wachstum gekostet haben, verzögere sich auch der Bau der Piste. Sollte jedoch der Bedarf rascher wieder einsetzen, könne der Baubeginn vorverlegt werden, sagte Kaufmann, doch habe der Pistenbau eine Vorlaufzeit von etwa acht Jahren. Nach drei Jahren rückläufiges Passagierwachstum erwartet der internationale Luftverkehrsverband nächstes Jahr wieder ein Plus von sieben Prozent und damit ein Erreichen der Werte des Jahres 2000. Damit hätte die Luftfahrtindustrie durch die 9/11-Terroranschläge, die Konjunkturschwäche, den Irak-Krieg und Sars insgesamt drei Jahre Wachstum verloren.

Einstieg in Bratislava

Der erhoffte Einstieg beim Flughafen Bratislava stelle jedoch keine Alternative zum Bau der dritten Piste in Wien-Schwechat dar. Wie die AUA will auch der Flughafen Wien bei der geplanten Versteigerung mitmachen. Doch das wird frühestens 2005 der Fall sein. Denn derzeit liegt erste ein Regierungsbeschluss über den Flughafen-Verkauf vor, der noch vom Parlament abgesegnet werden müsse. Nächstes Jahr wird dann eine Investmentbank ausgewählt, die den Tender durchführt.(Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 04.10.2003)

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    Viele Shops müssen zusperren - Lebensmittelgeschäfte sollen verstärkt den Reisenden Verpflegung anbieten

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