Nachfolgerin für Anna Lindh gekürt

5. Oktober 2003, 14:35
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Europa-Expertin Laila Freivalds zur schwedischen Außenministerin ernannt

Die Entscheidung für Laila Freivalds wurde in Stockholm überrascht aufgenommen. In den Spekulationen um die Lindh-Nachfolge war der Name der 62-Jährigen, die nach zweimaliger Amtszeit als Justizministerin im Jahr 2000 nach einer Wohnungsbau-Affäre zurückgetreten war, nicht aufgetaucht.

Mit außenpolitischen Fragen ist die für ihre harte Verhandlungstaktik bekannte Juristin bisher nicht betraut gewesen. Gleichwohl habe sie im Rahmen der europäischen rechtspolitischen Zusammenarbeit "mehr als irgendjemand anders mit EU-Fragen gearbeitet", so Schwedens Regierungschef Göran Persson. Die im Herbst anstehenden "schwierigen Diskussionen" über die geplante EU-Verfassung seien ein gewichtiges Argument für seine Entscheidung gewesen.

Die gebürtige Lettin Freivalds bezeichnete es am Freitag als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, "Europa und Schweden einander näher zu bringen". Im Rahmen der Regierungsumbildung werden außerdem der Minister für Einwanderung und Entwicklungshilfe, Jan O. Karlsson, sowie die Euro-kritische Vize-Ministerpräsidentin Margareta Winberg das Kabinett verlassen. Wirtschaftsminister Leif Pagrotsky, ebenfalls erklärter EU-Gegner, verbleibt ungeachtet massiver Rücktrittsforderungen aus Wirtschaftskreisen im Amt. Pagrotsky sei "außerordentlich tüchtig", beschied der Ministerpräsident.

Verdächtiger leugnet

Unterdessen wurden am Freitag die Verhöre mit dem Hauptverdächtigen im Mordfall Lindh fortgesetzt. Der 24-Jährige bestreitet nach Aussage seines Anwalts weiterhin die Tat, soll sie Medienberichten zufolge aber gegenüber Bekannten sowie seiner Mutter gestanden haben.

Zu Berichten, wonach vorläufige DNA-Analysen den Verdächtigen als Täter ausweisen, haben sich die Fahnder bislang nicht geäußert. Für den kommenden Dienstag erwartet die Polizei von dem renommierten britischen Labor Forensic Science Service das endgültige Ergebnis der DNA-Analyse der Mordwaffe, mit der Anna Lindh vor knapp einem Monat in einem Stockholmer Kaufhaus niedergestochen worden war.(DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2003)

Anne Rentzsch aus Stockholm
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der schwedische Premier Persson und die neue schwedische Außenministerin Laila Freivalds.

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