"Wer sind 'wir'? Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Wissenschaft"

6. Oktober 2003, 18:38
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Ringvorlesung an der Uni Graz

Graz - Fremdenfeindlichkeit und Rassismus existieren in allen Bevölkerungsschichten, reduziert werden kann das Phänomen nur durch Aufklärung - davon ist eine Gruppe von rund 100 Wissenschaftlern der universitären Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit an der Uni Graz überzeugt. Jetzt hat die auf Betreiben des Musikwissenschaftlers Richard Parncutt entstandene Gruppierung eine Ringvorlesung ins Leben gerufen, die einen einführenden Überblick über die Forschung auf allen Fakultäten der Hochschule in diesem Bereich bietet.

"Wer sind 'wir'? Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Wissenschaft" heißt die jeweils an Montagen angesetzte Reihe, die Hörer aller Fakultäten als Wahlfachmodul anrechnen lassen können, die aber - so hoffen die Veranstalter - auch von der interessierten nicht akademischen Bevölkerung besucht werden soll. "Die Universität hat eine Verantwortung für die öffentliche Bildung und im Umgang mit Vorurteilen und Stereotypen gibt es eine offensichtliche Bildungslücke", so Parncutt, der die Reihe am Freitag in Graz vorstellte. Die Fragen nach den Wurzeln des ablehnenden Verhaltens gegenüber allem Fremden bis hin zu Anleitungen, wie man dem Anderen angst- und vorurteilsfrei begegnen kann, sollen in den insgesamt 14 Vortragsabenden zur Sprache kommen. An der Ringvorlesung beteiligen sich Referenten aus allen Fakultäten und Forschungsrichtungen.

Auftakt

Den Auftakt macht am kommenden Montag, 6. Oktober, der Leiter des Grazer Zoologischen Instituts und Verhaltensbiologe Heinrich Römer. Er wird über die evolutionäre Basis fremdenfeindlichen Verhaltens sprechen. "Trotz der Tatsache, dass es sehr wenig genetische Unterschiede innerhalb der menschlichen Population gibt, gibt es evolutionär entstandene Wahrnehmungsmechanismen, die sich besonders auf den Unterschieden festhaken", so Römer. Wichtig sei daher nicht der Versuch einer "Gleichmacherei", sondern die aktive Anerkennung der Differenz und das Bestreben, den Anderen als Individuum zu erkennen, so Römer.

Mit der wissenschaftlichen Untermauerung von Stereotypen in der bisherigen Wissenschaftsgeschichte - beispielsweise den Versuchen, aus der Physiognomie eines Menschen auf dessen Verhalten zu schließen und ihn so diversen "Gruppen" zuzuordnen - wird sich der Grazer Philosoph Peter Strasser auseinander setzen. Der Grazer Moraltheologe Otto König beleuchtet die Geschichte der Ausgrenzung in den Bibelreligionen und kommt zum Schluss: "In den Verfassungsschriften des Christentums ist die Sprache des Hasses bereits festgeschrieben". Die Reinigung des Bildes der "Anderen" in den Grundlagenschriften der monotheistischen Religionen stellt nach Ansicht des Grazer Theologen die "zentrale Hausaufgabe" der Religionen dar. (APA)

Ringvorlesung "Wer sind 'wir'? Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Wissenschaft".

Ab 6. Oktober, montags von 16.00 bis 17.30 Uhr.

Alter Senatssaal, Uni-Hauptgebäude. (Am 6. Oktober ausnahmsweise im HS 6 der Zoologie.)

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Universitäre Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit

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