Literaturhaus braucht mehr Geld

7. Oktober 2003, 00:12
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Betreiber fordern Erhöhung der Basissubventionen vom Bund

Wien - Die Betreiber des Literaturhauses in Wien sehen den Fortbestand ihrer Institution akut gefährdet und fordern dringend eine Anhebung der Basissubventionen des Bundes. Diese wären 1999 um 9 Prozent und 2000 um 10 Prozent gegenüber den jeweiligen Vorjahreswerten gekürzt und in den Jahren 2001 bis 2003 auf gleichem Stand eingefroren worden. "Das heißt, dass de facto die Basissubvention weniger geworden ist", erläuterte der Grazer Germanist Uwe Baur als Obmann der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, die das Literaturhaus betreibt.

Es sei eine akute Notsituation entstanden, auf die man bereits mit zwei Kündigungen und der Reduzierung des Veranstaltungsbetriebs reagieren habe müssen. Am kommenden Montag (6.10.) gibt es nun ein Gespräch mit Staatssekretär Franz Morak (V), auf das Baur "große Hoffnungen" setzt.

Zahlen und Rechnungen

"Wir müssten 5 Prozent pro Jahr mehr bekommen, damit unsere Leistungen gleich bleiben können", führte Baur aus. Laut dem Geschäftsführer der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, Heinz Lunzer, besteht das Budget zu zwei Dritteln aus Personalkosten, die bereits im Jahr 2000 als Reaktion auf die damals erfolgten Kürzungen durch Kündigungen, Stundenreduktionen und Gehaltsverzicht stark reduziert wurden. Weitere Einsparungen seien in diesem Bereich nicht mehr möglich, ohne das Funktionieren des Hauses in Frage zu stellen.

"Die Wahl, vor der der Subventionsgeber nun steht, heißt: Entweder eine Erhöhung unseres jährlichen Basisbudgets um rund 180.000 Euro, das heißt um rund 20 Prozent mehr als jetzt, oder eine deutliche Einschränkung der Leistung."

Wien-Beteiligung?

Man werde zwar auch die Stadt Wien, die bisher punktuell und projektbezogen gefördert habe, fragen, ob sie sich nicht auch am Basisbudget beteiligen wolle, meinte Lunzer, das Literaturhaus wäre jedoch im Gegensatz zu verschiedenen regionalen Literaturhäusern eine gesamtösterreichische Einrichtung. Baur: "Wir sind ein Kompetenzzentrum für die österreichische Gegenwartsliteratur, das international ausstrahlt." - "Wir dürfen ja gar nicht nur im Interesse Wiens handeln", ergänzte Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, "das würde unserem Auftrag widersprechen."

"Die Ausspielpolitik Wien versus Bundesländer muss endlich ein Ende haben", forderte Ruiss, der die Meinung vertrat, dass es sich "nicht um eine Krise des Literaturhauses, sondern um eine Krise der Literaturförderung" handle. Diese betreffe nicht nur den Bund, sondern auch die Länder, und darüber müsse endlich gesprochen werden.

Die Klimaanlage

Konkret hat die Nicht-Gewährung einer Sondersubvention in der Höhe von 60.000 Euro für dringend notwendig gewordene und durchgeführte Reparaturen an der Klimaanlage, die laut Lunzer bereits "mündlich zugesagt" gewesen war, die finanzielle Situation des Literaturhauses erneut verschlimmert. Diese Summe wäre nun nur durch radikale Eingriffe in den laufenden Betrieb aufzubringen. Baur hofft jedoch, bei dem montägigen Gesprächstermin nicht nur eine Erhöhung der jährlichen Basissubventionen, sondern auch eine Bedeckung dieses akuten Finanzbedarfs erreichen zu können. Ruiss: "Wir werden am Ende dieser Legislaturperiode auf eine vollkommen passive Existenz reduziert werden, wenn nichts passiert."

Unterstützung

Unterdessen haben sich bereits rund 600 Autorinnen und Autoren sowie Institutionen einer Erklärung gegen die "schleichende Abschaffung des Literaturhauses" angeschlossen.

Das Literaturhaus in Wien wurde im September 1991 eröffnet und beherbergt drei Vereine: die Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, die IG Autorinnen Autoren sowie die Übersetzergemeinschaft. Sein Herzstück ist die größte Freihandbibliothek österreichischer Literatur des 20. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt Gegenwartsliteratur sowie eine Zeitungsausschnittsammlung zur österreichischen Literatur. Auf der Homepage werden derzeit rund 2.000 Zugriffe pro Tag registriert, die rund 150 Veranstaltungen im Jahr mussten zuletzt auf rund 120 reduziert werden. (APA)

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