Platter: Kürzerer Wehrdienst hieße auch kürzerer Zivildienst

5. Oktober 2003, 10:11
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SPÖ fordert: Beide müssen gleich lang dauern

Wien - Eine Verkürzung des Wehrdienstes würde auch eine Verkürzung des Zivildienstes mit sich bringen müssen. Das sagte Verteidigungsminister Günther Platter (V) im "Neuen Volksblatt" (Freitag-Ausgabe): "Das völlig losgekoppelt zu machen wäre falsch." Grundsätzlich hält sich der Minister zu dieser Frage freilich noch bedeckt. Diskutiert werden könne eine "moderate" Verkürzung, sie hänge aber von den konkreten künftigen Aufgabenstellungen des Heeres - "Heimatschutz", Assistenzeinsatz, Katastrophenhilfe, internationale Einsätze - ab.

Ein wesentliches Anliegen ist Platter die Attraktivierung des Wehrdienstes. Dies könne etwa in Form zusätzlicher Bildungsangebote geschehen. Zu schon heute angebotenen Ausbildungen, etwa speziellen Führerscheinen oder als Sanitäter, denkt er insbesondere an zusätzliche Angebote im Fremdsprachenbereich. Er wolle den jungen Menschen einen "Mehrwert bieten", der sich positiv auf ihr künftiges Leben, etwa auf ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt auswirke.

SPÖ: Beide müssen gleich lang dauern

"Vernünftig" findet der SPÖ-Abgeordnete Kai Jan Krainer die jüngsten Aussagen von Verteidigungsminister Günther Platter (V) in Sachen Zivildienst. "Eine Verkürzung des Wehrdienstes darf nicht losgekoppelt von der Verkürzung des Zivildienstes diskutiert werden", gibt Krainer dem Verteidigungsminister recht. Man dürfe aber "nicht auf halbem Weg stehen bleiben: Zivildienst und Wehrdienst müssen gleich lange dauern".

Außerdem fordert Krainer die finanzielle Gleichstellung des Zivildienstes mit dem Wehrdienst, die Verbesserung der Ausbildung - also die Wiedereinführung der Grundausbildung - und gleiche Bedingungen für alle Zivildiener, egal ob sie bei Blaulichtorganisationen oder anderen Organisationen tätig sind.

Zilk gegen "Ewiggestrige"

"Völlig unerheblich" sind für den Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk als Vorsitzenden der Bundesheer-Reformkommission jüngste Berichte über angebliche Pläne der ÖVP für das Bundesheer. Unter seinem Vorsitz werde die Kommission auf keinen Fall "Erfüllungsgehilfe für Kaffesud" sein, betonte er am Freitag. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) habe ihm zugesagt, dass es "keine Vorbedingungen" gebe. Andernfalls hätte er den Vorsitz gar nicht angenommen - oder würde ihn "mit Donner und Trara" niederlegen.

"Die Ewiggestrigen werden die Arbeit der Kommission nicht stören", bemüht sich Zilk jeden Eindruck zu vermeiden, dass das Ergebnis der Kommission oder Teile davon bereits von Anfang an feststehen könnten: "Mit mir können die das nicht machen."

Zilk verteidigt ein weiteres Mal auch die Nominierung von Schi-Legende Karl Schranz, ausdrücklich auch gegen Andreas Kollross, den Vorsitzenden der Sozialistischen Jugend Österreich (SJÖ). Wenn Kollross die Frage stelle, ob er mit Schranz überhaupt Mitglied der Kommission sein wolle, "kann ich nur sagen, er soll's bleiben lassen".

Raidl hat keine Zeit fürs Heer

Böhler Uddeholm-Chef Claus Raidl hat als Mitglied der Bundesheer-Reformkommission abgesagt. Sein Sprecher begründete diesen Schritt am Freitag mit "zeitlichen Gründen". "Im Vordergrund steht Böhler Uddeholm", hieß es. Raidl sei zudem auch in anderen Bereichen engagiert, etwa als Präsident des Fachhochschulschulrates - und alles sei eben nicht möglich. (APA)

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