Atombehörde fordert Einsicht in US-Waffenbericht

4. Oktober 2003, 19:15
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Diplomaten: "Text enthält eine Menge 'glauben' und 'vielleicht" - UN-Chefwaffeninspektor Blix: Keine Beweise, Verstoß gegen UNO-Charta

Wien - Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) fordert Einblick in den Irak-Bericht des amerikanischen Waffenexperten David Kay. Die IAEO habe den Auftrag, sicherzustellen, dass der Irak kein Atomwaffenprogramm betreibe, sagte IAEO-Sprecher Mark Gwozdecky. Um ihrer Verpflichtung nachkommen zu können, brauche die Behörde Einsicht in Kays Ergebnisse.

Kritik von IAEO-Diplomaten

Der IAEO nahe stehende Diplomaten kritisierten am Freitag, der Bericht basiere hauptsächlich auf Aussagen irakischer Wissenschaftler, die nicht von Beweisen untermauert seien. "Der Text enthält eine Menge 'glauben' und 'vielleicht'", hieß es. Und Kay habe wenig herausgefunden, was die UNO-Inspektoren nicht schon wüssten, sagten Diplomaten.

Blix: Verstoß gegen UNO-Charta

Die USA haben nach Ansicht des ehemaligen UNO-Chefwaffeninspektors Hans Blix immer noch keine ausreichenden Beweise für eine Rechtfertigung der Militäraktion gegen den Irak vorgelegt. In einem Interview mit der BBC in London sagte Blix am Freitag, die Voraussetzungen einer "manifesten und akuten Bedrohung" durch den Irak seien auch nach Vorlage des Zwischenberichts über die Suche nach Massenvernichtungswaffen nicht erfüllt. Weil diese Kriterien nicht erfüllt worden seien, wurde nach Angaben von Blix mit der Militäraktion auch gegen die UNO-Charta verstoßen, die nur "Aktionen zur Selbstverteidigung nach einem Angriff" zulasse, sagte Blix dem Rundfunkprogramm Radio Four.

Bericht nannte nur wenige Hinweise

Kay erklärte am Donnerstag vor dem US-Kongress, er habe im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden. Nur in sehr begrenztem Umfang seien Hinweise auf mögliche B- und C-Waffen-Programme entdeckt worden, für ein Atomprogramm gebe es so gut wie keine Anzeichen. Der Hinweis auf eventuell versteckte Massenvernichtungswaffen im Irak war eines der Hauptargumente von US-Präsident George W. Bush für den Krieg gegen den Irak.

Vor ihrem Abzug aus dem Irak im März erklärten IAEO-Inspektoren, das Nuklearprogramm Bagdads sei nicht für den Bau von Atomwaffen geeignet. Ein Atomwaffenprogramm könne jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden, da das Team seine Inspektionen vorzeitig abbrechen musste. (APA)

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