Rekord-Defizit der Salzburger Kulturvereinigung

6. Oktober 2003, 14:40
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Leiter Klier: "Erstmals in ihrer Geschichte in eine wirtschaftlich bedrohliche Lage gerutscht"

Salzburg - "Erstmals in ihrer Geschichte ist die Salzburger Kulturvereinigung in eine wirtschaftlich bedrohliche Lage gerutscht". Das sagte Heinz Klier, der diese Salzburger Konzertveranstaltungs-Institution seit dem Jahr 1951 leitet. 216.000 Euro Defizit im Jahr 2002 konnten zwar gerade noch mit Rücklagen abgedeckt werden, einschneidende Programmkürzungen für 2004 seien aber unvermeidbar.

In welchem Ausmaß das Konzertangebot 2004 reduziert wird, will Klier demnächst in einer Pressekonferenz bekannt geben. Aber er stellte klar, dass "wir uns derartige Verluste kein zweites Mal leisten können".

Zäher Verkauf

"Noch nie, seit ich die Kulturvereinigung leite, ist der freie Kartenverkauf so zäh gegangen wie in den vergangenen beiden Jahren", erläuterte Klier. "Die Leute sparen ihr Geld lieber und entscheiden sich immer kurzfristiger für eine Konzertkarte. Wenn wir in der letzten Zeit ausverkauft waren, dann im allerletzten Moment. Ich glaube, das liegt nicht an unserem Programm, sondern an der allgemeinen wirtschaftlichen Lage".

Einbrüche hatte die Kulturvereinigung auch bei den Abonnements hinzunehmen. Beim Konzertring ist die Zahl der Abos zwar nur von 5.880 auf etwa 5.820 gesunken, das Theaterring-Abo hingegen ist um rund sieben Prozent eingebrochen. Statt 2.800 sind heuer nur noch 2.620 Abos verkauft worden.

Konservatives Publikum

"Wenn eine Inszenierung eine schlechte Mundpropaganda hat, dann sind plötzlich ein paar hundert Plätze unbesetzt, und dann geht es sich hinten und vorne nicht mehr aus", so der "Grandseigneur" der Salzburger Kulturveranstalter. "Ständig werde ich gefragt, ob die aktuelle 'La Boheme'-Produktion oder unser 'Der Fliegende Holländer' auch sicher nicht so modern sind wie etwa die 'Aida' 2001. Diese Inszenierung hat uns sehr geschadet. Unser Publikum akzeptiert keine radikalen Verfremdungen der Opern."

An allgemeine Übersättigung im Konzertangebot glaubt Klier nicht. Er will die Herausforderung noch ein Mal annehmen und verweist auf Graz, wo der Musikverein Steiermark mit weniger Abonnenten fast vier Mal so viel Subventionen bekommt. Die Salzburger Kulturvereinigung setzt jährlich rund drei Mio. Euro um, die öffentliche Hand steuert 68.000 Euro bei.

Programm

Die Salzburger Kulturtage 2003 beginnen heuer am 15. Oktober, und zwar mit einer Oper. Gemeinsam mit dem Salzburger Landestheater präsentiert der Veranstalter, die Salzburger Kulturvereinigung, Giacomo Puccinis "La Boheme". Am 16. Oktober wird "Carmen" von Georges Bizet ebenfalls im Großen Festspielhaus gegeben, allerdings in einer konzertanten Fassung. Am 30. Oktober steht "Der Fliegende Holländer" von Richard Wagner auf dem Programm. Die Kulturtage 2003 dauern bis 4. November - 16 Veranstaltungen mit zehn verschiedenen Programmen warten auf ihr Publikum.

Das Kernstück der Kulturtage 2003 sind die Opern. "La Boheme" in der Inszenierung von Bruno Berger Gorsky nach einem Konzept von Gian-Carlo del Monaco wird sieben Mal gezeigt. Lukas Karytinos wird das Mozarteum Orchester und die Solisten Olga Mykytenko, Christiane Boesiger, Vicente Ombuena und Juan Jesus Rodriguez dirigieren.

Selbst "Carmen" schleppt sich

Am 16. Oktober ist eine konzertante Carmen in einem Gastspiel des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz angesetzt, die sich allerdings derart schleppend verkauft, dass Kulturvereinigungs-Chef Heinz Klier die zweite, für 17. Oktober geplante Aufführung kurzerhand gestrichen hat. "Ich verstehe das nicht. Viele Leute schauen sich lieber eine blöde Regie an als eine gute konzertante Aufführung", so Klier. Besser steht es um das Publikumsinteresse für "Der Fliegende Holländer", der vom Städtischen Theater Chemnitz gestaltet wird.

Symphonisches kommt heuer von der Jungen Philharmonie Salzburg unter der Leitung von Elisabeth Fuchs (21. Oktober), von der Robert Schumann Philharmonie aus Chemnitz (23. und 24. Oktober), vom Mozarteum Orchester (28. Oktober) und von der Salzburger Kammerphilharmonie (29. Oktober). Ergänzt wird das Programm der Kulturtage durch zwei Kammerkonzerte im Marmorsaal im Schloss Mirabell (19. und 26. Oktober). (APA)

Die Kulturvereinigung hat zwei verschiedene, von 74 bis 133 Euro teure Abonnements mit je drei Veranstaltungen aufgelegt, Detailinformationen zum Programm und Bestellung von Abos und Einzelkarten für die Veranstaltungen im Großen Festspielhaus, im Orchesterhaus, im Mozarteum und im Schloss Mirabell unter 0662 / 845346 oder Fax: 0662 / 84 26 65
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