Starker Euro belastet die Wirtschaft

5. Oktober 2003, 16:00
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Unternehmensergebnisse werden in einem "schleichenden Prozess" von den Wechselkursen betroffen - Euro legt vor US-Arbeitsmarktdaten etwas zu

Frankfurt - Der jüngste Anstieg des Euro zum Dollar wird nach Einschätzung von Analysten und Volkswirten Konjunktur und Unternehmensergebnisse in Deutschland belasten. Trotz zuletzt rasanter Kursgewinne gehen Experten aber nicht davon aus, dass der Euro den Aufschwung verhindert oder als Ausrede für verhagelte Bilanzen taugt.

"Der Anstieg des Euro zum Dollar wirkt sicherlich dämpfend, aber ganz gewiss ist er kein Verhinderer von Wachstum", sagt Manfred Kurz, Volkswirt der Bayerischen Landesbank. Risiken sehen Analysten für die exportorientierten Branchen - etwa die Autoindustrie oder der Maschinenbau. Ein starker Euro verteuert Exporte aus der Euro-Zone und schwächt damit die Produzenten im internationalen Wettbewerb.

Höchststand seit drei Monaten

Am Donnerstag erreichte der Euro zeitweise mit 1,1768 Dollar den höchsten Stand seit drei Monaten. Am Freitagvormittag lag der Euro bei 1,1713/17 Dollar, nach einem Stand von 1,1684/88 Dollar bei Handelsschluss in New York am Vortag.

"Das jetzige Euro-Niveau tut der deutschen Autoindustrie schon sehr weh", sagt Auto-Analyst Henrik Lier von der WestLB. Die Unternehmensergebnisse zeigten dies zwar nicht sofort, aber es könne langfristige Folgen haben. "Wenn dieses Niveau Jahre anhalten würde, könnten davon auch Standortentscheidungen zu Lasten der Euro-Zone beeinflusst werden."

Nach Einschätzung von Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, ist nicht an einem bestimmten Kurs festzumachen, wann es für deutsche Firmen kritisch wird. "Das ist mit Blick auf die Unternehmensergebnisse ein schleichender Prozess, so wird etwa die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt." Müssten die Absicherungen gegen Wechselkursschwankungen (Hedging) beim jetzigen Euro-Niveau erneuert werden, könnten einige Exportfirmen Probleme bekommen. "Wenn der Euro allerdings über den bisherigen Höchststand von 1,1932 und über 1,20 Dollar steigt, könnte das zu einem psychologischen Belastungsfaktor werden und Kursverluste an den Aktienmärkten auslösen."

Firmengewinne kaum gefährdet

Die Firmengewinne sind Branchenanalysten zufolge kaum durch den starken Euro gefährdet. Insgesamt seien die Firmen durch Hedging weitgehend abgesichert. "Bei den Umsätzen können die Einbußen erheblicher sein", ergänzt Technologie-Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. "Technologieunternehmen sind stark exportorientiert und stark in den USA und Asien vertreten. Bis zu maximal zwölf Prozent des Umsatzes könnte der starke Euro ausmachen." Viele Firmen hätten allerdings ihre Lehre aus den Kursschwankungen der vergangenen Jahre gezogen und in ihren Planungen für 2003 einen höheren Euro-Kurs angesetzt. Experten betonen regelmäßig, dass vor allem sehr schnelle Wechselkursänderungen eine Gefahr für Unternehmen sind.

Vor der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten hat der Euro zum Dollar am Freitag etwas zugelegt. Gleichzeitig gab die US-Währung zum Yen etwas nach, hielt sich auf Grund anhaltender Spekulationen um eine erneute Intervention der Bank von Japan aber oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 110 Yen.

"Ökonomen erwarten heute negative Arbeitsmarktdaten", sagte Devisenstratege Bilal Hafeez von der Deutschen Bank. "Sie werden immer zurückhaltender in ihrer Beurteilung der US-Konjunktur, während sie vor zwei Wochen noch optimistischer waren." Börsianer erhoffen sich von den am Nachmittag (MESZ) veröffentlichten Zahlen Hinweise darauf, ob sich die beginnende konjunkturelle Erholung in den USA auch im Arbeitsmarkt niederschlägt. Eine "Jobless Recovery" - ein Aufschwung ohne Schaffung neuer Arbeitsplätze - gilt als nicht nachhaltig, weil eine hohe Arbeitslosigkeit zu einer Kaufzurückhaltung der Verbraucher führt. Der private Verbrauch ist aber eine der wichtigsten Stützen jeder Volkswirtschaft. (APA/Reuters)

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