Konsumbremse bleibt voll angezogen

3. Oktober 2003, 11:33
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Mehrheit der Österreicher rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage

Linz - Die Skepsis der Österreicher ist - was die Konjunktur betrifft - unverändert hoch. Deshalb stehen sie auch auf der Ausgabenbremse. Von der Bundesregierung erwarten sie sich vor allem die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Sicherung der Pensionen. Das ist das am Freitag veröffentlichte Ergebnis einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "market", das dazu fast 600 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählte Personen befragt hat.

Bei der Frage nach der Einschätzung der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in Österreich glaubten nur 18 Prozent, dass sie besser werde. Genau doppelt so viele erwarten aber eine Verschlechterung. 40 Prozent gehen davon aus, dass sie stabil bleibt. Vor einem Jahr waren dagegen 29 Prozent der Ansicht, dass es besser werde, 21 Prozent rechneten mit einer Verschlechterung, 47 Prozent mit einem Gleichbleiben.

Auch Junge pessimistisch

Die Konjunkturskepsis zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. Sogar von den Jungen - ansonsten immer bei den Optimisten in der Gesellschaft zu finden - rechnet die Mehrheit mit einer Verschlechterung. Kein Wunder, dass die Bevölkerung auf der Ausgabenbremse steht: 47 Prozent erklärten bei der Umfrage, sie würden mit ihrem Geld in letzter Zeit sparsamer umgehen, 29 Prozent "teilweise sparsamer". Vor allem Ältere sind bei Ausgaben zurückhaltend. Nur 23 Prozent gaben an, sie würden nicht sparen.

Besonders vom Konsumverzicht betroffen ist der persönliche Luxus. Für 69 Prozent beginnt das Sparen bei Schmuck und Uhren, für 64 Prozent beim Auswärts-Essen. 60 Prozent senken am ehesten ihre Ausgaben für Glücksspiele wie Lotto oder Toto ein, 58 Prozent bei Unterhaltungselektronik. 54 Prozent - darunter überdurchschnittlich viele junge und Menschen im mittleren Alter sowie Bewohner von Landeshauptstädten - wollen weniger Markenartikel und stattdessen Billigprodukte kaufen. 51 Prozent wollen sich beim Telefonieren einschränken. 45 Prozent schränken sich beim Auto ein. Am wenigsten gespart wird bei Anschaffungen für Kinder, finanzielle Vorsorge, Weiterbildung und bei Investitionen in Haus oder Wohnung.

Arbeitslosigkeit wiegt schwer

Nach Ansicht der Meinungsforscher drücken sich die Sorgen der Österreicher sehr nachhaltig in dem aus, was sie als vordringlichste Aufgaben der Bundesregierung ansehen. Mit 88 Prozent Nennungen ist das vor allem anderen die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

80 Prozent verlangen die Sicherung der Pensionen. Beides hat gegenüber einer ähnlichen Umfrage im März noch um neun Prozentpunkte zugenommen. "Die zwischenzeitlich beschlossene Pensionsreform löst offenbar nicht das Gefühl aus, dass damit etwas für zukunftsgesicherte Pensionen getan wurde", lautet der Befund der Meinungsforscher.

Zwei Drittel für Steuersenkung

Auffallend ist für sie auch, dass zwei sich prinzipiell widersprechende Forderungen deutlich stärker als zuletzt erhoben werden: 67 Prozent verlangen eine Steuersenkung für kleine und mittlere Einkommen - plus 17 Prozentpunkte. Und 42 fordern den Abbau des Budgetdefizits - plus 12 Prozentpunkte.

Darüber hinaus ist nach Einschätzung der Meinungsforscher das Vertrauen der Bevölkerung in die Bundesregierung "mäßig". 54 Prozent trauen ihr "eher weniger" bis "auf keinen Fall" zu, dass sie die Rahmenbedingungen für einen Wirtschaftsaufschwung schafft. 62 Prozent glauben "eher weniger" oder "auf keinen Fall", dass es ihr gelingt, österreichische Interessen in der EU durchzusetzen. (APA)

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