Ölmultis bohren Russland an

7. Oktober 2003, 09:12
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Exxon umwirbt YukosSibneft - Mit der Konsolidierung der russischen Erdöl-industrie ist auch das Interesse der Multis erwacht

Wien - Dank der Restrukturierung der russischen Erdölbranche hat Russland Saudi-Arabien als weltgrößtes Ölförderland abgelöst. Zugleich ist das Interesse der ausländischen Multis, die das Land bis vor einigen Jahren links liegen ließen, am Einstieg bei russischen Rivalen erwacht. Als Erstes hat BP seine Claims abgesteckt: Die Briten investieren fast acht Milliarden Dollar in ein Gemeinschaftsunternehmen mit TNK, die britisch-niederländische Shell pumpt zehn Milliarden in Offshore-Projekte in Russland.

Nun ist Exxon in Moskau vorstellig geworden. Der Multi investiert bereits zwölf Mrd. Dollar in die Öl- und Gasförderung auf der Insel Sachalin im russischen Fernen Osten. Aber der weltgrößte Ölkonzern will noch höher hinaus und auch noch tiefer in die Tasche greifen: Anvisiert wird ein Einstieg bei YukosSibneft. Exxon will laut der britischen Tageszeitung Financial Times bis zu 50 Prozent des Unternehmens erwerben und dafür bis zu 25 Milliarden Dollar in die Hand nehmen.

Wenngleich beide potenziellen Partner diese Pläne nicht bestätigen wollen, dürfte es wohl kein Zufall sein, dass Exxon-Boss Lee Raymond gerade jetzt nach Moskau gereist ist, als Yukos und Sibneft gerade ihre Fusion besiegelt haben. Die Transaktion zwischen beiden Unternehmen hat ein Volumen von rund 45 Milliarden Dollar.

YukosSibneft wird das viertgrößte private Ölunternehmen der Welt sein und die Nummer eins auf dem russischen Öl- und Gasmarkt. Der neue Ölriese wird täglich 2,3 Millionen Fass (je 159 Liter) fördern und damit den bisherigen russischen Marktführer Lukoil mit rund 1,5 Millionen Fass klar überholen.

Nummer vier im Visier

Auf dem Weltmarkt positioniert sich YukosSibneft hinter BP, ExxonMobil und RoyalDutch/Shell und vor Konkurrenten wie ChevronTexaco und TotalFinaElf. Die 18,4 Mrd. Fass an Erdölvorkommen, über die der neue russische Gigant gesichert verfügt, sind die größten Reserven, die weltweit eine einzelne Firma hält, und entsprechen jenen des Golfemirats Kuwait.

Hauptmotiv für den Drang der westlichen Ölriesen nach Russland: Während die bestehenden Felder in den traditionellen Förderregionen langsam austrocknen und die meisten Opec-Länder ihre nationale Ölindustrie für ausländische Investments gesperrt halten, gibt es in Russland noch genug freie Claims.

Was dazukommt: Trotz des nach wie vor hohen Risikos bei einem Engagement sind die Produktionskosten in Russland verhältnismäßig niedrig, sprich die Multis können einen ordentlichen Return on Investment erzielen. (Clemens Rosenkranz, 04.10.2003)

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