Arnies Image im Wahl-Endspurt angekratzt

5. Oktober 2003, 14:51
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Republikanischer Favorit weist Bericht über Hitler-Verehrung zurück und reagiert zerknirscht auf "Grapsch-Affären"- Vorwurf

Los Angeles - Wenige Tage vor der Wahl sind neue Vorwürfe gegen den in Umfragen führenden Kandidaten für das kalifornische Gouverneursamt, Arnold Schwarzenegger, laut geworden. In einem ausführlichen Bericht der größten Zeitung des Westküstenstaats, der "Los Angeles Times", beschuldigten am Donnerstag sechs Frauen den Filmstar und ehemaligen Bodybuilder, sie unsittlich berührt und verbal sexuell belästigt zu haben. Und der Sender ABC meldete unter Berufung auf ein unveröffentlichtes Buch-Projekt, Schwarzenegger habe sich 1975 in einem Interview lobend über den Diktator Adolf Hitler geäußert. Dieser habe mit wenig Bildung einen großen Aufstieg geschafft, daher zähle er ihn zu seinen Helden, soll Schwarzenegger gesagt haben. Der Schauspieler dementierte umgehend.

Erinnerungslücken

"Ich kann mich nicht erinnern, so etwas gesagt zu haben", reagierte er auf die Meldung des US-Senders ABC. "Ich verachte alles, was die Nazis oder Hitler repräsentieren", fügte Schwarzenegger hinzu. Er wies auch auf seine Zusammenarbeit mit dem Simon- Wiesenthal-Zentrum hin, das Antisemitismus bekämpft. Schwarzenegger unterstützt das Zentrum seit 1984 und hat Millionenbeträge gestiftet.

Der Regisseur des Bodybuilder-Films "Pumping Iron", George Butler beteuerte gegenüber ABC, Schwarzenegger habe nie antisemitische Äußerungen gemacht.

Die US-Medien berufen sich auf ein Buch-Expose Butlers, der Schwarzenegger mit seiner Dokumentation "Pumping Iron" einem größeren Publikum bekannt gemacht hatte. Dem mehr als sechs Jahre alten Manuskript zufolge soll Schwarzenegger 1975 gesagt haben: "Ich habe Hitler beispielsweise bewundert, weil er es als kleiner Mann fast ohne Ausbildung an die Macht geschafft hatte. Und ich bewundere ihn, weil er so ein guter öffentlicher Redner war und für das, was er damit gemacht hat." Butler beschreibt der Zeitung zufolge, wie Schwarzenegger Marschlieder der Nazis gespielt und so getan habe, als sei er ein SS-Offizier. Butler habe erklärt, in den 70ern habe er Schwarzenegger für einen "unverblümten Bewunderer Hitlers" gehalten.

"California Comeback Tour"

Der aus Österreich stammende Filmstar hatte eigentlich am Donnerstag mit dem Start einer viertägigen Bustour durch Kalifornien einen Siegeszug in Richtung der Recall-Wahlen am nächsten Dienstag beginnen wollen. Nun wurde der Start der "California Comeback Tour" durch die Vorwürfe überschattet. Wie sich die Berichte auf das Wahlverhalten der Kalifornier auswirken, lässt sich nach Ansicht von Beobachtern noch nicht sagen. Bei den beiden jüngsten Umfragen liegt Schwarzenegger mit 40 Prozent in Führung.

Er sei gewarnt worden, dass er in der Endphase des Wahlkampfs persönliche Angriffe erwarten müsse, sagte Schwarzenegger. "Anfang der Woche sind viele führende Politiker auf mich zugekommen und haben gesagt, 'Arnold, pass' auf, in dieser Woche werden sie alles auf dich abladen ... das passiert jedem Politiker'", sagte er dem Sender MSNBC. Journalisten sagte er später: "Ich werde nicht zulassen, dass sie meinen Wahlkampf zum Scheitern bringen."

"Grapsch-Affäre"

Auf den Vorwurf von "Grapsch-Affären" reagierte Schwarzenegger eher zerknirscht. Er entschuldigte sich bei jenen, die er durch seine Handlungen verletzt habe. Damals sei ihm das nicht so bewusst gewesen, sonst hätte er es nicht getan, versuchte er aber auch Verständnis zu heischen und die Probleme auf das Umfeld im Filmgeschäft zurückzuführen. Laut der "Los Angeles Times" ereignete sich der jüngste Vorfall allerdings erst im Jahr 2000. Keine der sechs Frauen habe Schwarzenegger angezeigt, aber alle hätten sich sehr gedemütigt gefühlt. Lediglich zwei Frauen nannten ihren Namen, die vier übrigen fürchten Repressionen und wollen anonym bleiben.

Der amtierende Gouverneur Gray Davis hielt sich in einer ersten Reaktion auf die Vorwürfe zurück. Die Wähler sollten sich selber ein Bild machen, meinte er. Anders hingegen der demokratische Kandidat Cruz Bustamante, der in den jüngsten Umfragen hinter Schwarzenegger liegt. Das unsittliche Berühren einer Person könne sogar unter das Strafgesetz fallen, zitierte er einen Paragrafen über sexuelle Belästigung. (APA/Reuters)

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    Schwarzenegger bei einer Wahlveranstaltung in Costa Mesa.

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