Vorarlberger fliegen über ihre Nachbarn

3. Oktober 2003, 22:01
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Billigflüge Vorarlberg-Wien von Friedrichshafen versprechen kein Lärmproblem - sehrwohl der Ausbau des Flughafens Altenrhein

Bregenz -Bisher galt das Flugfeld im schweizerischen Altenrhein, direkt an der Staatsgrenze zu Österreich gelegen, als Vorarlberger Flughafen. Nun, da die Airport Altenrhein AG das Flugfeld zum Regionalflugplatz ausbauen will, wenden sich die Vorarlberger ab und liebäugeln mit einem Ausbau des Flugplatzes Friedrichshafen am deutschen Bodenseeufer. Ab 13. Oktober gibt es von dort auch Billigflüge nach Wien.

Ein Ausbau von Altenrhein hätte mehr Lärmbelastung für die direkt angrenzenden Vorarlberger Nachbarn zur Folge. Eine Befürchtung, die von den Flugplatzbetreibern bestätigt wird. Das "Lärmkorsett", Gegenstand eines Staatsvertrags zwischen Österreich und der Schweiz, würde durch die Verdoppelung der täglichen Flugrotationen "leicht überschritten", heißt es aus Altenrhein.

Nein zu Schweizer Plänen

Im Vorarlberger Landhaus sagt man zu den Schweizer Plänen ein klares Nein. Landeshauptmann Herbert Sausgruber, der selbst Flugplatzanrainer aus dem Nachbarort Höchst ist: "Es gibt eine Vereinbarung, die ein bestimmtes Lärmkorsett erlaubt, an die hat man sich zu halten."

Kein Lärmproblem haben die Vorarlberger mit dem geplanten Ausbau des Bodensee-Airport Friedrichshafen. Der liegt zwar auch nur eine gute halbe Autostunde von Bregenz entfernt, die An- und Abflugschneisen beeinträchtigen aber die Vorarlberger nicht. In Friedrichshafen will man die jährlich 500.000 Fluggäste mit Investitionen von 20 Millionen Euro bis 2008 auf 800.000 steigern.

26 Prozent der Friedrichshafen-Flieger kommen heute schon aus Österreich. Durch ein Billigflugangebot von Intersky, der Low Fare Airline des früheren Rheintalflug-Betreibers Rolf Seewald aus Bregenz, sollen es schon bald mehr werden.

Ausbau von Friedrichshafen ist aber noch nicht gesichert

Intersky bietet ab 13. Oktober einmal täglich 29-Euro-Flüge nach Wien (one way, ohne Taxen). Wer früh genug bucht, spart bei Hin- und Rückflug 62 Euro auf den Normaltarif.

Der Ausbau von Friedrichshafen ist aber noch nicht gesichert. Die Flughafen GmbH, zur Hälfte im öffentlichen Besitz, sucht nach neuen Partnern. Und: Auch dort ist das Lärmproblem nicht vernachlässigbar. Von einer Bürgerinitiative kommt Widerstand gegen zusätzlichen Tourismusflugverkehr. (jub, DER STANDARD Printausgabe 3.10.2003)

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