Harald Juhnke: Richter entziehen Ehefrau Persönlichkeitsrechte

5. Oktober 2003, 19:46
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Gerichtsstreit nach "Skandalbuch" über den kranken deutschen Schauspieler

Berlin - Um den in einem Pflegeheim bei Berlin lebenden Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke ist ein bizarrer Streit entbrannt. Das Landgericht Frankfurt/Oder hat Susanne Juhnke die Vormundschaft für ihren schwer demenzkranken Mann teilweise entzogen - und zwar die Betreuung der Persönlichkeitsrechte. Das ist ein Novum in Deutschland.

Alkoholabstürze beschrieben

Das Gericht begründete die Entscheidung mit der jüngst erschienenen Autobiografie Susanne Juhnkes "In guten und in schlechten Tagen", in der die 58-Jährige detaillierte Beschreibungen der Alkoholabstürze Juhnkes zum Besten gibt. So habe sie im Juli 2000, nach einer verheerenden Zechtour ihres Mannes bei Dreharbeiten in Baden bei Wien, gewusst: "Wir haben den Kampf gegen den Alkohol verloren."

Veröffentlichung

Durch die Veröffentlichung des Werkes, das in der deutschen Presse als "Skandalbuch" beschrieben wird, sei die Ehefrau "nicht geeignet, das Schutzbedürfnis des Betroffenen objektiv und unvoreingenommen sicherzustellen", befanden die Richter. "Auch Menschen in hilfloser Lage haben ein Recht darauf, dass ihr Ansehen in der Öffentlichkeit bewahrt wird."

Wahrung der Persönlichkeitsrechte

Das Gericht setzte den Berliner Rechtsanwalt und Experten für Presserecht, Johannes Eisenberg, für die Wahrung der Persönlichkeitsrechte des 74-Jährigen ein. Frau Juhnke verwehrt Eisenberg aber den Zugang zu ihrem Mann. Sie will, dass diese Aufgabe der frühere Anwalt ihres Mannes, Matthias Prinz, übernimmt, wie Juhnkes Manager Peter Wolf dem Tagesspiegel erklärte. Eisenberg hat nun mit einer einstweiligen Verfügung Zugang erwirkt. In Berlin wird vermutet, dass Eisenberg juristisch gegen die Verbreitung des Buches vorgehen will.

Für alle weiteren Lebensbereiche bleibt sie weiter der Vormund Die Ehefrau legte Beschwerde gegen den Gerichtsentscheid ein. Für alle weiteren Lebensbereiche wie finanzielle Fürsorge bleibt sie weiter der Vormund ihres Mannes. Peer Juhnke, Harald Juhnkes Sohn aus erster Ehe, hatte den Antrag gestellt, Susanne Juhnke die Vormundschaft gänzlich zu entziehen.

Harald Juhnke lebt seit 2001 im Pflegeheim und ist kaum ansprechbar. Er hält sich "aber noch immer für einen großen Star", berichtet sein Freund, der Berliner Theaterregisseur Jürgen Wölffer. (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin, DER STANDARD Printausgabe 3.10.2003)

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