[dag] Interview wozu?

13. Oktober 2003, 15:34
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Ist Ihnen aufgefallen, dass Österreichs Spitzenpolitiker nur noch in Ausnahmefällen, wie etwa in der Euphorie nach einem Wahlerfolg, Fragen von Journalisten ...

... vor laufender Kamera beantworten? Das heißt nicht, dass sie sich keinen Live-Interviews mehr stellen (so etwas könnte sich höchstens der Kanzler leisten). Nein, im Gegenteil, sie sind gern sendezeitfüllend im Studio, geben das Mikrofon auch immer wieder her, warten mehr oder weniger geduldig, bis der oder die daneben ausgesprochen hat, um endlich loszuwerden, was nicht extra gefragt sein muss und auch nie gefragt werden würde, um "einmal in aller Deutlichkeit" gesagt zu werden.

Ein Meister des austro- autistischen Interviewstils ist Alfred Gusenbauer, der schon milde lächelt, wenn einer erst im Aufbau ist, ihm eine Frage zu stellen. Wozu? Er geht ohnehin nicht darauf ein. Reagiert ein TV-Profi beleidigt und behauptet: "Sie haben meine Frage nicht beantwortet, ich wiederhole also . . .", so kann sich Gusenbauer nur wundern. Warum tun die sich das an?

Manchmal ist er ehrlich und erwidert: "Das ist nicht die Frage." Dabei verschweigt er, dass es diese Frage gar nicht gibt. Nur die Antwort darauf, und die sagt er ohnehin dauernd. (Daniel Glattauer/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2003)

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