Land am Strome verfehlt Ziel bei der Ökoenergie

24. Oktober 2003, 11:19
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Statt angepeilten Anstiegs fällt Anteil markant

Wien - Österreich entfernt sich immer weiter von dem von der EU vorgegebenen Ziel einer Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energieträger. Anstatt bis 2010 von rund 71 Prozent auf gut 78 Prozent am heimischen Gesamtverbrauch zu klettern, wird er wegen des stetig ansteigenden Energieverbrauchs auf 61 Prozent sinken. Damit würde Österreich auch das Klimaziel weit verfehlen, warnen die in der Ökoenergie-Allianz zusammengeschlossenen Grünstromproduzenten und die Umweltorganisation World Wide Fund of Nature (WWF).

"Wenn E-Control und Wirtschaftsministerium so weitermachen, wird das 78-Prozent-Ziel zum größten Ökoschmäh des Jahrzehnts", sagte Stefan Hantsch, der Geschäftsführer der IG Windkraft, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Schließlich baue das 78-Prozent-Ziel auf einer Fiktion auf, nämlich dass der Stromverbrauch auf dem Niveau des Jahres 1997 verharren werde. Dies habe Österreichs Regierung als Fußnote in die EU-Richtlinie "Erneuerbare Energien" hineinverhandelt.

Saftige Energiesparmaßnahmen notwendig

Die vor 13 Jahren im Land am Strome verbrauchten rund 56 Terrawattstunden (TWh) habe man als Basis für die mengenmäßige Errechnung des Grünstromzieles angenommen. Aber weil der Stromverbrauch stetig wachse, müssten im Jahr 2010 bis zu sieben Terrawattstunden mehr an Ökoenergie ins Netz als im Szenario fließen. Schließlich werde der Verbrauch im Referenzjahr 2010 mit gut 72 Terrawattstunden um etwa 28 Prozent über dem angenommenen Wert von 56 Terrawattstunden liegen. Wenn die Regierung keine saftigen Energiesparmaßnahmen setze, müssten dreimal so viel Ökoanlagen errichtet werden als derzeit geplant und auch gefördert werden, um die Lücke zwischen Plan und Realität zu schließen.

Selbst wenn ab 2005 eine Stabilisierung des Verbrauchs auf einem Niveau von rund 65 Terrawattstunden gelinge, sei in der heimischen Erzeugung noch immer ein Ausbaubedarf von 4,5 TWh gegeben, rechnet Stefan Moidl, Klima- und Energieexperte des WWF Österreich, vor. In der vergangenen Dekade sei der Verbrauch jährlich um 1,9 Prozent angestiegen, dieses Plus von 1,2 Terrawattstunden entspreche der Erzeugung eines mittleren Donaukraftwerks, so Moidl.

Deckel sprengen

Um das Erreichen des Ökostromziels doch noch möglich zu machen, forderten die Vertreter der Ökoenergie-Allianz die Aufhebung der Deckelung der Förderung. Zugleich sollte grüner Strom von der Energieabgabe befreit werden, auch um Österreich hohe Strafzahlungen wegen der Verfehlung des Klimaschutzziels und des daher nötigen teuren Zukaufs von Emissionszertifikaten zu ersparen. (rose, DER STANDARD, Print, 03.10.2003)

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