"Bei Reformen Tempo herausnehmen"

3. Oktober 2003, 10:11
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AAB-Generalsekretär Amon will starke Sozialstimme

Wien - "Es tut der ÖVP gut, wenn sie ein starkes soziales Standbein hat." - Daher will Werner Amon, designierter neuer Generalsekretär des schwarzen Arbeitnehmerbundes ÖAAB, den ÖAAB als "kräftige schwarze soziale Stimme" profilieren.

Gerade aus den dürftigen Wahlergebnissen in Oberösterreich und Tirol, die der bisherige ÖVP-Bildungssprecher Amon im STANDARD-Gespräch als "Wink mit dem Zaunpfahl" bezeichnet, zieht er den Schluss: "Man muss bei den Reformen ein wenig Tempo herausnehmen. Sonst gehen, frei nach Adenauer, die Politiker so weit vor, dass die Menschen sie nicht mehr sehen können. Wir müssen die Dinge grundsätzlicher beraten, um die Menschen bei Reformen mitnehmen zu können."

Das sei der ÖVP nicht optimal gelungen, und das sei auch eine wichtige Aufgabe für den ÖAAB, meint Amon: "Wir dürfen die Menschen mit ihren Problemen und Ängsten nicht allein lassen." Wobei Amon schon stört, dass die SPÖ im Wahlkampf Arbeitnehmereinrichtungen wie AK und ÖGB "für sich missbraucht" habe.

Das dürfe nicht mehr passieren, und das will Amon auch dadurch verhindern, dass der ÖAAB als "moderne Arbeitnehmerbewegung und als Thinktank für die Probleme der Zeit positioniert" wird. Als Beispiele für Probleme nennt Amon die neue Arbeitswelt mit vielen Jobwechseln, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Bildungskarenz, die derzeit mit "spärlicher Unterstützung schwach ausgebaut ist". Kurzfristig sieht er die Gesundheitsreform und die Harmonisierung der Pensionssysteme als Hauptaufgaben des ÖAAB.

Amon soll Generalsekretär werden, ÖAAB-Chef wird Fritz Neugebauer. Dass dieser bisher als Beamtenlobbyist aufgefallen ist, im ÖAAB aber die überwiegende Mehrheit der 190.000 Mitglieder keine Beamten sind, stört Amon wenig. Erhofft er sich doch von Neugebauer viel Durchschlagskraft für den zuletzt als zu zahm kritisierten ÖAAB: "Neugebauer ist ein gewiefter Verhandler, der politisches Gewicht mitbringt. Zudem kann er frei agieren, weil er nicht in der Regierung sitzt." (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2003)

von Eva Linsinger
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