"Familienglück zählt nicht"

3. Oktober 2003, 21:53
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Zehn Jahre nach seiner Flucht muss Bosnier um Aufenthalt bangen

Wien - Glücklich verheiratet, viel Freude mit dem zwölfjährigen Roberto, ein fixer Arbeitsplatz - Miroslav D. (34) hat ein, wie es so schön heißt, intaktes Leben. Ruhig schlafen kann er trotzdem nicht. Seine schrecklichen Kriegserfahrungen wird der bosnische Asylwerber wohl nie mehr los. Was ihm aber jetzt mehr denn je den Schlaf raubt, ist ein Bescheid der Wiener Fremdenpolizei, in dem es heißt: "Aufhebung des Aufenthaltsverbotes abgewiesen."

"Erschreckend", meint Michael Genner von der privaten Hilfsorganisation Asyl in Not: "Da gelingt es einem Menschen, aus einer aussichtslosen Situation heraus sein Leben in den Griff zu bekommen, doch für die Behörde zählt Familienglück offensichtlich nicht."

Kriegsverletzungen sind amtlich dokumentiert

Hintergrund: Miroslav M. flüchtete 1993 nach Österreich. Seine körperlichen und seelischen Kriegsverletzungen sind amtlich dokumentiert. Zwei (getilgte) Gesetzesübertretungen in Österreich ebenfalls - was ihn für die Fremdenpolizei noch heute, also Jahre später, zu einer Persona non grata macht.

Empfehlungsschreiben

"Die Behörde verliert kein Wort darüber, dass Herr D. voll integriert und resozialisiert ist. Die Zukunft der Familie ist scheinbar völlig egal", kritisiert Genner. Herr D. ist mit einer Österreicherin verheiratet, für Roberto, das gemeinsame Pflegekind, sind sie Mutter und Vater. Die Familie hat Empfehlungsschreiben vom Jugendamt, von der Schule, von der Bezirksvertretung, trotzdem muss sie nun neuerlich auf das Berufungsverfahren hoffen. (simo, DER STANDARD Printausgabe 3.10.2003)

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