"Im Irak schauen wir nach vorne"

3. Oktober 2003, 16:32
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Berlin ist mit 75 Millionen Euro dabei

Wien - Noch bleibt der neue Irakresolutionsentwurf der USA unter den Erwartungen der Kriegsgegner im UNO-Sicherheitsrat, wie der deutsche Außenminister Joschka Fischer am Donnerstag bedeutete; es gebe aber darin "Elemente, die nach vorne weisen". "Im Irak schauen wir nach vorne", sagte auch Hans-Henning Horstmann, deutscher Botschafter in Österreich, am Vorabend des heutigen deutschen Nationalfeiertags zum STANDARD und äußerte sich "zuversichtlich, dass die sehr schwierige Arbeit im UNO-Sicherheitsrat dazu führen wird", dass an deutsch-amerikanischer Kooperation im Zusammenhang mit dem Irak "noch viel mehr möglich werden wird", als es jetzt der Fall sei.

Horstmann betonte aber, dass bei allen klaren Meinungsunterschieden die Zusammenarbeit zwischen Amerikanern und Deutschen die ganze Zeit hindurch auf vielen Ebenen "großartig" war - besonders verwies der Botschafter auf Afghanistan, wo die Deutschen ihr Engagement noch ausweiteten: Bei der Operation "Enduring Freedom" seien sie weltweit die zweitgrößten Truppensteller. Aber auch am Wiederaufbau im Irak sei Deutschland beteiligt, mit einer Zusage von 50 Millionen Euro bilateral, wozu noch 25 Millionen über die EU hinzukämen, "das sind Beträge". Gerade nach dem letzten Treffen zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George Bush könne man klar sagen, dass "gewürdigt wird, was wir tun".

"Irritationen unter Freunden und Partnern" in der seit 1945 stetig gewachsenen Beziehung zwischen Deutschen und Amerikanern seien schon früher vorgekommen, und unterschiedliche Auffassungen könnten auch durchaus offen ausgesprochen werden. Horstmann strich den umfassenden Sicherheitsbegriff Deutschlands hervor, in dem der militärische eben nur ein Aspekt sei: "Für uns wichtig ist die soziale Sicherheit, ein Wachstum in einer Welt, die ökologisch gestaltet ist."

Und Schröder habe vor der UNO-Generalversammlung deutlich gemacht, dass die internationalen Institutionen gestärkt werden müssten, um bei "Krisen zu einer umfassenden Prävention zu kommen". Der Herausforderung des internationalen Terrorismus können die bestehenden Institutionen begegnen, wenn sie gestärkt und reformiert werden - Stichwort die Repräsentanz im UNO-Sicherheitsrat. Darauf, dass dazu heute eine größere Bereitschaft bestehe als zuvor, gebe es Hinweise. Auch Kofi Annan mahne die Reform unermüdlich ein. Wie nah oder fern sie ist, wollte Horstmann nicht sagen - "wir brauchen einen langen Atem". (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2003)

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