Unter der Daunendecke

9. Oktober 2003, 17:54
posten

Überregionale Gesundheitsplanung ist in Österreich ein Fremdwort - von Martina Salomon

Es dürfte mindestens sechs Monate dauern, bis bei der Gesundheitsreform erste konkrete Konturen sichtbar werden. Denn die Regierung weiß: Speed kills - und zwar die Anhängerschaft der eigenen Partei. Vor den im März anstehenden Landtagswahlen in Kärnten und Salzburg wird die Gesundheitspolitik daher unter eine dicke Daunendecke aus großräumigen Verhandlungsrunden gepackt. Am 27. Oktober werden bis zu 80 Verhandler eingeladen - danach verschwinden diese in Arbeitsgruppen. Nur die Wiener Gebietskrankenkasse stört den Frieden, indem sie den Vertrag mit den Ärzten gekündigt hat. Die Finanzen reichen angeblich nicht, um die Honorare der niedergelassenen Mediziner so wie bisher weiter zu zahlen. Aus allen Kassen erschallt der Ruf nach mehr Geld.

Aber gerade am Beispiel Wiens zeigt sich, dass durchaus Strukturreformen nötig sind: So gibt es in der Bundeshauptstadt zu viele Ärzte - etwa 81 Röntgenordinationen - bei gleichzeitig besonders schlechten Öffnungszeiten, was wiederum eine hohe Zahl an Ambulanzbesuchen verursacht. Außerdem leistet sich die Wiener Kasse das Unikum eines eigenen Spitals, in dem brave Sozialdemokraten wohl bessere Jobchancen haben.

Dass es die 18 Kassen bisher nicht geschafft haben, ein gemeinsames Rechenzentrum aufzubauen, passt zur Kirchturmpolitik, die auch neun unterschiedliche Honorarordnungen der Gebietskassen hervorgebracht hat. Überregionale Gesundheitsplanung ist in Österreich ein Fremdwort, und eine schwarze Gesundheitsministerin wird den schwarz dominierten Ländern hier kaum die Schneid abkaufen (eher umgekehrt). Die vernünftige Forderung von Staatssekretär Reinhart Waneck nach vier Gesundheitsregionen hat wenig Aussicht auf Verwirklichung. Aber vor dem 7. März ist ohnehin nicht mit Inhalten zu rechnen. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2003)

Share if you care.