"Wie Gratis-Burenwurst"

10. Oktober 2003, 11:39
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Wiener Obdachlosenzeitung Augustin bleibt mit Absicht "Potter-freie Zone"

Wien/Hamburg - Die Wiener Obdachlosenzeitung "Augustin" nimmt das Angebot des deutschen Carlsen Verlags nicht an, in einer Oktober-Ausgabe vorab und kostenlos das erste Kapitel der am 8. November erscheinenden deutschsprachigen Ausgabe von "Harry Potter und der Orden des Phönix" abzudrucken.

Obwohl mit dieser Aktion, die die Autorin Joanne K. Rowling initiiert hat, kurzfristig "eine Menge" neuer Leser gewonnen werden könnten, würden diese im Augustin "kein weiter gehendes Angebot für sie" vorfinden. Ein Vorabdruck wäre demnach "wie eine einmalige Gratis-Burenwurstaktion in einem vegetarischen Restaurant", hieß es in einer Augustin-Presseaussendung.

"Gut gemeinten" Aktion

Der "Augustin" beteilige sich nicht an "Medienhypes aller Art" und stelle sich "auch nicht gratis als PR-Plattform" zur Verfügung. Die Zeitung wolle Autoren publizieren, die "obdachlos, arm oder sonst an den Rand gedrängt sind oder waren". Rowling hat zwar vor dem weltweiten Erfolg mit den Zauberlehrlings-Büchern selbst Sozialhilfe empfangen, sich aber "als einkommensstärkste Frau Großbritanniens eindrucksvoll in eine andere soziale Schicht katapultiert", so die Aussendung. Weiters sei der vorgeschlagene Text zu lang.

Die negative Entscheidung zur "gut gemeinten" Aktion sei in der Augustin-Redaktion "keineswegs einhellig" gefallen. Der Salzburger "Asfalter" und das Grazer "Megaphon" nehmen an der Aktion teil. Der Augustin wird hingegen auch in der Zeit rund um das Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe des fünften Potter-Bandes "Harry-Potter-freie-Zone" bleiben. "Vielleicht auch ein attraktives Angebot für unsere LeserInnen", so die Redaktion.

Erhöhte Sicherheitsbestimmungen

Warten also, Kinder! Am Mittwoch ging die deutsche Ausgabe des neuen Bandes "Harry Potter und der Orden des Phönix" in Druck, wie der Carlsen-Verlag in Hamburg mitteilte. Damit vor dem offiziellen Erscheinungsdatum am 8. November keine Auszüge publik werden, gelten in einer Thüringer Druckerei, die einen Teil der rund zwei Millionen Bücher druckt, erhöhte Sicherheitsbestimmungen. So drohten sowohl den Angestellten als auch der Druckerei Strafen, wenn sie die gedruckten Seiten vorzeitig in Umlauf bringen sollten. (APA/AP)

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