Zahlreiche Funde in den Keltengräbern am "Eislfeld"

8. Oktober 2003, 11:10
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Herausragendste Exemplare in Salzburg präsentiert

Salzburg - In einer "Leistungsschau" präsentierte der Direktor des Österreichischen Forschungszentrums Dürrnberg, Kurt Zeller, in Hallein am Donnerstag die wertvollsten und ältesten Funde Europas, die in den vergangenen drei Jahren in den Keltengräbern am "Eislfeld" bei Ausgrabungen gefunden worden waren. Als herausragendstes Exemplar bezeichnete Zeller eine mit einer Goldfolie aufwendig überzogene Fußzierfibel, die "ohne Zweifel zu den qualitätsvollsten Fibeln der späten Hallstattzeit gezählt werden kann".

Bisher hatte man nur in Frauengräbern Prunkfibeln (die zur Befestigung von Schultertüchern dienten, Anm.) gefunden, allerdings aus Bronze. Diesen Sommer waren Mitarbeiter des Forschungszentrums auf das "reichste Männergrab, das wir je gefunden haben", gestoßen, betonte Zeller. Die Grabbeigaben stammen aus der "Gründergeneration" um 600 vor Christus.

Kessel

Als weitere Errungenschaften nannte der Direktor des Keltenmuseums einen aus zwei Blechen vernieteten Kessel von rund 60 Zentimeter Durchmesser, der zwei so genannte Flügelat-Taschen mit kräftigen Trageringen aus Eisen aufweist. Zusammen mit einem ähnlichen Bronzekessel ließen sich die Dürrnberger Varianten als "die östlichsten und ältesten Vertreter dieses Gefäßtyps beschreiben", erläuterte der Museumsdirektor.

Erst auf Grund von Gehsteigbauten, die sich um 15 Jahre verzögert hatten, konnten in den vergangenen drei Jahren 23 Grabanlagen freigelegt werden. Von 1963 bis heute wurden insgesamt 99 Gräber mit 81 Körperbestattungen und mindestens 14 Leichenbrandschüttungen entdeckt, berichtete Zeller, der von Beginn der Grabungsarbeiten dabei war.

Weitere Planung

Die Nekropole der "Gründergeneration" ist mittlerweile zur Gänze erforscht, als mittelfristiges Forschungsziel sei demnächst eine Vernetzung der Grabungsergebnisse der drei ältesten Dürrnberger Gräberfelder anzustreben. Der prähistorische Salzbergbau wurde in seinen Anfängen möglicherweise von mehreren Familien betrieben, die in räumlich voneinander entfernten Kleinweilern wohnten. Die Gräber würden sich auch durch unterschiedliche Beigaben unterscheiden. Um die verwandtschaftlichen Beziehungen zu beleuchten, seien DNA-Prints geplant, erklärte Zeller.

In einem zweiten Forschungsprojekt werden bis zum Jahr 2004 Geländearbeiten an einer Handwerkssiedlung aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. am Fuße des "Putzenkopfes" durchgeführt. Finanziert wird die Grabung vom Fonds zur Förderung der Wissenschaften (FWF). (APA)

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