Gesundheitsmuffel Mann

8. Oktober 2003, 11:17
9 Postings

Sie beteiligen sich zu wenig an Vorsorge- und Früherkennungsaktivitäten - Infokampagne soll Abhilfe schaffen

Wien - Obwohl öfter und dann zumeist auch schwerer krank als Frauen, engagieren sich - auch in Österreich - die wenigsten Vertreter des angeblich so "starken Geschlechts" in Sachen eigener Gesundheitsvorsorge. Eine Informationsoffensive der Internationalen Gesellschaft für Männergesundheit (ISMH) gemeinsam mit zahlreichen Partnern soll das jetzt ändern, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Der Gold-Standard des Verständnisses von Gesundheit sind die Frauen. Seit der Entschlüsselung des Y-Chromosoms in diesem Sommer wissen wir aber auch, dass es im Vergleich zum X-Chromosom (Frauen) das schwächere Chromosom ist", erklärte der Präsident der ISMH, Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn.

Sterblichkeitsrate von Neugeborenen

Schon bei der Sterblichkeitsrate von Neugeborenen ist das männliche Geschlecht benachteiligt. Auf 100 gestorbene Mädchen kommen 126 Buben. Die Selbstmordrate von Burschen liegt drei Mal höher als jene von Mädchen, beim Alkoholmissbrauch beträgt dieser Faktor das Fünffache.

Meryn: "Laut dem europäischen Männergesundheitsbericht liegt das Verhältnis von Frauen zu Männern bei den Herzkrankheiten bei eins zu 1,9, bei Krebs bei eins zu 1,5, bei Unfällen eins zu 2,7 und bei Selbstmord bei eins zu 3,9." In einer umfangreichen Krankheitsliste kämen die Frauen nur bei Morbus Alzheimer mit einer größeren Häufigkeit an Erkrankungen vor.

Mangelnde Beteiligung

Ein Teil davon beruht auf mangelnder Beteiligung der Männer an Vorsorge- und Früherkennungsaktivitäten. Im Jahr 2002 gingen in Österreich nur 351.000 Männer zur kostenlosen Vorsorgeuntersuchung zum Arzt, hingegen 506.000 Frauen. Das entspricht einem Verhältnis von 40 zu 60. Insgesamt nahmen lediglich 13,6 Prozent der Österreicher dieses Angebot wahr.

Der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda: "Lungen-, Dickdarm- und Prostatakrebs sind in diesem Bereich die größten Probleme. In Österreich erkranken jährlich rund 20.000 Männer an Krebs. Etwa 10.000 sterben jährlich. 6.000 Männer könnten durch Früherkennung der Erkrankung gerettet werden."

Informationskampagne

Die Gesellschaft für Männergesundheit startet jetzt - gemeinsam mit Österreichischer Krebshilfe, Urologen-Berufsverband, Ärztekammer, Gemeinde Wien und anderen Partnern - eine Informationskampagne mit Broschüren und Plakaten in den Arztordinationen.

Auch das Gesundheitsministerium ist dabei. Ressortchefin Maria Rauch-Kallat: "Gesundheit ist nichts Selbstverständliches. Derzeit werden die Vorsorgeuntersuchungen gerade evaluiert. Wir überprüfen das Programm und wollen mit vier verschiedenen Gesundheitspässen an die Bevölkerung herantreten." Der erste ist für die 14-Jährigen gedacht, zwei weitere wird es für die Menschen zwischen 15 und 65 geben. Abgerundet werden soll das dann durch einen "Seniorenpass".

Promis

Die ISMH-Initiative wird auch von Prominenten wie Armin Assinger und Wolfram Pirchner unterstützt. Pirchner: "Nur wenn's mir gut geht, geht es auch meiner Frau und meinen Kindern gut. (...) Ich habe mich vom Vorsorgemuffel zum begeisterten Hypochonder entwickelt. Ich will - wie mein Vater, der in diesem Sommer mit 92 Jahren starb - nur ganz kurze Zeit in meinem Leben aktionsunfähig sein."

Vorsorgemodul

Die Österreichische Krebshilfe hat ein Vorsorgemodul für Männer gestaltet. Man kann sich auch per E-Mail an notwendige Check-ups erinnern lassen. Was die Organisation Männern in Sachen Krebs empfiehlt: monatliche Hoden-Selbstuntersuchung, jährliche Prostatauntersuchung beim Arzt ab 45, jährlicher Stuhltest auf Blut ab 40, Darmspiegelung alle fünf bis sieben Jahre ab 50 und eine regelmäßige Selbstkontrolle der Haut (Melanom). (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Männer kümmern sich zu wenig um ihre Gesundheit. Eine Informationsoffensive soll Abhilfe schaffen.

Share if you care.