Bombenexplosion in italienischem Ministerium

3. Oktober 2003, 09:16
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Paketbombe detonierte im Arbeitsministerium - Keine Verletzten - Hintergründe bisher unklar - Polizei riegelte Gelände ab

Rom - Das Gespenst des Terrorismus macht Italien zwei Tage vor Beginn der Regierungskonferenz über die EU-Verfassung zu schaffen. Ein Paket mit einer Videokassette, das per Post an das römische Arbeitsministerium geschickt worden war, ist am Donnerstag in der italienischen Hauptstadt explodiert. Nach Angaben der Polizei wurde dabei niemand verletzt. Kurz vor der Explosion hatte ein für die Postverteilung zuständiger Mitarbeiter des Ministeriums die Polizei alarmiert, weil ihm das Paket verdächtigt erschienen war.

Elektrische Kabel in schlecht verpackter Schachtel weckten Verdacht des Personals

Der Mitarbeiter hatte die Polizei alarmiert, nachdem er einige elektrische Kabel in der schlecht verpackten Schachtel mit der Videokassette bemerkt hatte. Nach der Explosion kam es zu einem kleinen Brand, der aber bald gelöscht werden konnte. Die Polizei riegelte das Gelände um das Ministerium ab, das Gebäude wurde geräumt.

Gewerkschaften und Kammerpräsident entrüstet

Der Anschlag löste eine entrüstete Reaktion der Gewerkschaften aus, die Arbeitsminister Roberto Maroni ihre Solidarität bekundeten. Maroni geriet in den letzten Monaten wegen einer umstrittenen Reform zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts stark unter Druck. Er führt auch für die Regierung langwierige Verhandlungen mit den Sozialpartnern um eine tief greifende Pensionsreform, mit der die Italiener länger am Arbeitsplatz gehalten werden sollen. Gegen die von Maroni verfasste Pensionsreform planen die Gewerkschaften am 24. Oktober einen vierstündigen Generalstreik.

"Wir verteidigen die Institutionen, auch wenn wir mit den Reformen der Regierung nicht einverstanden sind", sagte der Chef des Gewerkschaftsverbands CISL, Savino Pezzotta. Anschläge dieser Art seien gegen auch gegen die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften gerichtet und daher entschieden abzulehnen, meinte Pezzotta. Auch der Präsident der Abgeordnetenkammer, Pier Ferdinando Casini, erklärte sich mit Maroni, Minister der rechtspopulistischen Lega Nord, solidarisch. Für seine Worte erhielt er den Applaus der Deputierten.

Arbeitsministerium in Schusslinie umstürzlerischer Terrorkreise

Das römische Arbeitsministerium ist bereits seit Monaten in der Schusslinie umstürzlerischer Terrorkreise. Im März des vergangenen Jahres war der enge Mitarbeiter des Ministers Maroni, Marco Biagi, von einem Terroristenkommando vor seiner Wohnung in Bologna erschossen worden. Die Polizei hatte außerdem im Februar die Terroristin Nadia Lioce festgenommen, die angeblich mit Komplizen einen Anschlag auf die Unterstaatssekretärin des Arbeitsministeriums, Maria Grazia Siliquini, plante. (APA)

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