"Quasi ein Genie"

22. Oktober 2003, 17:22
posten

Detailreiche Ausstellung zur Person und zum Phänomen Helmut Qualtinger im Wien Museum Karlsplatz

Wien - Als "Quasi ein Genie" wird in einer großen Ausstellung Helmut Qualtinger (1928 bis 1986) anlässlich seines 75. Geburtstages am 8. Oktober gewürdigt. Im Wien Museum Karlsplatz - wie das ehemalige Historische Museum der Stadt Wien nunmehr heißt - ist bis 6. Jänner 2004 eine Schau zu sehen, die, so Direktor Wolfgang Kos bei der Präsentation, "nicht die endgültige Wahrheit über Qualtinger" bieten wird, jedoch das "Bild der sagenhaften Unschärfe mit vielen Details belegen" will.

Übergroß und unscharf

Es gebe Jubiläumsausstellungen, die Pflichterfüllung sind, die Qualtinger-Schau sei hingegen eine von jenen, die "Rückenwind" haben, meinte Kos. Schon mit 33 Jahren hörte Qualtinger auf, Kabarett zu spielen; seine Berufung als Schauspieler nannte der "Individualanarchist" (Kos) "keinen Beruf für einen erwachsenen Menschen"; er war "Schriftsteller ohne Schreibmaschine", populär und gleichzeitig kompliziert und immer voll subversivem Potenzial: Einer "übergroßen, aber doch ziemlich unscharfen Figur", zu der "jeder, der einmal neben ihm im Cafe gesessen ist", eine Anekdote zu kennen glaubt, nähert sich die Schau in Porträts, Ton- und Filmaufnahmen sowie Memorabilien von Qualtinger-Orten wie dem Wiener Prater.

Ein junges Team von Ausstellungsmachern soll das vermittelte Bild der "grantigen Instanz" Qualtinger von der "Kumpanei-Weitererzählung" (Kos) der Qualtinger-Zeitgenossen loslösen: "Jeder kennt Qualtinger. Das macht diese Ausstellung schwer und leicht zugleich".

"Quasi ohne Ende"

"Quasi" ist nicht nur die kumpelhafte oder, in Peter Turrinis Einschätzung, erstickende Bezeichnung, die die Wiener "ihrem" Qualtinger - trotz der Empörung um den "Herrn Karl" - gaben. "Quasi" steht in der Schau auch für das "nicht ganz Erfüllte" der "multiplen Gewaltigkeit des Talents", die Qualtinger auszeichnete und in den späten Jahren "zum Zerbersten voll mit Unzufriedenheit" werden ließ, so Kos. Von "Quasi ein Wunderkind" über "Quasi ein Opfer" (zum Herrn Karl) und "Quasi persönlich" bis "Quasi ohne Ende" reichen die Themen der Schau.

Zum Verweilen laden Hörsessel mit Aufnahmen Qualtingers ein, in denen er bei Stücklesungen bis zu 27 Figuren, Regieanweisungen und Chor alleine verkörperte - und damit seine "unheimliche", wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung einmal schrieb, Verwandlungsfähigkeit unter Beweis stellte. Weiters gibt es Ausschnitte aus Kabarett-TV-Aufzeichnungen, viele fotografierte (u. a. von Franz Hubmann) und gemalte Porträts, Karikaturen und Schallplattencover sowie Exponate u. a. aus dem Erotik-Museum des Praters. Teile der Schau stammen aus dem Qualtinger-Nachlass, den die Wiener Stadt- und Landesbibliothek verwaltet.

Früh zeitlos

Das Gesicht Qualtingers, das "früh einen zeitlosen Zustand erreicht" (Kos) hat und dennoch enorm wandlungsfähig blieb, spielt in der chronologisch geordneten Schau die Hauptrolle. Qualtinger als "Bosnigl" zeigt die Dokumentation seiner "practical jokes", mit denen er seine Zeitgenossen zum Besten hielt. Einige Kulturjournalisten etwa kamen einmal zum Westbahnhof, um dort den "Eskimodichter und Nobelpreisträger Nobuk" zu interviewen - und fanden Qualtinger vor. (APA)

Service

"Quasi ein Genie - Helmut Qualtinger (1928-1986)", im Wien Museum Karlsplatz.

2. 10. bis 6. 1. 2004,
Di bis So 9 bis 18 Uhr.

Info-Tel. 5058747-0

Link

wienmuseum.at

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Helmut Qualtinger 1986 im Cafe Alt Wien (das sich seither gottlob nicht verändert hat)

Share if you care.