Interdisziplinäres Schmerzzentrum entsteht in Klagenfurt

12. Oktober 2003, 19:56
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Zusatzfach für Schmerzmedizin angeregt

Klagenfurt - Das medizinische Angebot für Schmerzpatienten wird in Kärnten stark ausgeweitet. Wie Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy am Donnerstag erklärte, sei dies beschlossene Sache. Mit den Umbauarbeiten im Landeskrankenhaus Klagenfurt wird noch im Oktober begonnen, insgesamt 1,67 Millionen Euro werden in ein interdisziplinäres Schmerzzentrum investiert. Dazu wird es in allen Kärntner Spitälern Schmerzambulanzen geben.

Die Schmerztherapie hat in Kärnten Tradition, 1992 wurde am LKH Klagenfurt eine der ersten interdisziplinären Schmerzambulanzen in Österreich eingerichtet. Deren Leiter Rudolf Likar unterstrich vor Journalisten in Klagenfurt die enorme Bedeutung der Schmerztherapie. So hätten Schmerzpatienten ein siebenfach höheres Risiko, ihren Job zu verlieren. Zudem würden sie viel öfter einen Arzt aufsuchen müssen. Dies belaste das Gesundheitssystem finanziell sicher mehr als eine gezielte Schmerztherapie durch Fachleute. Likar: "Manche Patienten brauchen zehn Jahre, bis sie zu uns kommen und haben in dieser Zeit elf Ärzte verbraucht."

Opiate

Kritik übte Likar an der restriktiven Handhabung von Opiaten, die bei richtiger Anwendung großen Nutzen bieten würden, jedoch immer noch mit einer hohen Hemmschwelle belastet seien. "Es heißt ja auch immer noch Suchtgiftgesetz und Suchtmittelrezept, da sollte man eine Änderung herbeiführen." Bei Tumorpatienten gebe es keine Suchtgefahr durch die Behandlung mit Opiaten, auch bei Magengeschwüren oder Nervenschmerzen könnten diese Medikamente sinnvoll eingesetzt werden.

Likar, künftiger Präsident der österreichischen Schmerzgesellschaft, forderte neben einer bundesweit flächendeckenden Versorgung mit hochwertigen schmerzmedizinischen Angeboten auch die Einführung eines Zusatzfaches für Schmerzmedizin. Derzeit würden einheitliche Qualitätsstandards fehlen, die Ergebnisse der Behandlungen seien daher auch höchst unterschiedlich. Der Präsident der Kärntner Ärztekammer, Othmar Haas, wies darauf hin, dass die Kammer eine ganze Reihe von Fortbildungsangeboten für Mediziner bereitstelle. Kritik übte er daran, dass am LKH Klagenfurt ausgerechnet im Bereich Anästhesie die Turnusarztstellen gestrichen worden seien. Gerade in der Anästhesie würden sich viele Ärzte intensiv mit der Schmerztherapie befassen.

Finanzen

Schwierigkeiten bei einer effizienten Therapie chronischer Schmerzen gibt es nach Ansicht der Mediziner auch in finanzieller Hinsicht. Der Neurochirurg Günther Lanner meinte, man könne heutzutage mit Schmerzpumpen oder elektrischer Stimulation des Rückenmarks hervorragende Ergebnisse erzielen. Lanner: "Die Versicherungen zahlen aber die 8.000 Euro nicht, die so eine Schmerzpumpe kostet." Dabei könnten Patienten damit wieder ein normales Leben führen und ihren Beruf weiter ausüben. (APA)

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