Auf Reisen im Burgverlies

1. April 2004, 19:46
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Auf Burg Lockenhaus im Burgenland lernen künftige Tourismusmanager seit heuer mit Highspeed alles, was man für eine Topkarriere in der Reisebranche, der Gastronomie oder der Hotellerie benötigt

"Ich war von der Stunde null an Geburtshelfer", freut sich Andreas Zins vom Institut für Tourismus und Freizeitwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien über sein Baby. Immerhin ist der Kleine im ersten Jahr schon sehr kräftig und lebhaft. Natürlich habe er, wie jeder Vater, vorerst mit der "neuen Situation fertig werden müssen".

Was Zins da so in höchsten Tönen lobt, ist die neue Ausbildung zum akademischen Tourismusmanager, die sein Institut in Kooperation mit der Tourismus Akademie neuerdings anbietet. Erstmals können nun in Österreich Interessierte (mit und ohne Matura, mit und ohne Studium) an einem zwölfmonatigen Tourismuslehrgang teilnehmen. Das "Baby" verspricht eine solide betriebswirtschaftliche Ausbildung für die Arbeit in Tourismus- und Freizeitbetrieben sowie in touristischen Organisationen, nebst Einführung in moderne Managementtechniken, Marketing, Betriebswirtschaft und Einsatzmöglichkeiten neuer Medien. Für den Unternehmensberater Karl Auer, selber Dozent an der Tourismus Akademie, liegt der Vorteil der neuen Ausbildung in der "Durchlässigkeit", die sie propagiert, und in der überschaubaren Studienzeit. "Man kann ja anschließend auch noch, wenn man will, einen Master Degree erwerben", erklärt Auer. Der Lehrgang sei vor allem ein Versuch, Soft Skills und menschliche Verhaltensweisen zu schulen. Zu den Unterrichtsgegenständen zählen neben dem Unterrichtsfach Projektmanagement auch Seminare zum Thema "emotionale Entwicklung", Customer-Relationship, aber auch Konfliktmanagement und Betriebswirtschaft. Immerhin gibt es 600 Lerneinheiten, aufgegliedert in vier Module.

Vielseitigkeit

Nach Abschluss des Lehrgangs mit einer Diplomarbeit können die Studenten nach einjähriger Praxis in Gastgewerbe und Reisebüro um eine Konzession ansuchen oder sich auf einen Sprung ins mittlere oder höhere Management vorbereiten. Oder gar auf eine selbstständige Unternehmensführung in der Tourismusbranche. Unter dem Motto "Vielseitigkeit bringt bessere Einsetzbarkeit" werden die Studenten von ihren Professoren auch - wenn gewünscht - vermittelt. "Wir sind eine Branche der Netzwerker", sagt Horst May, Projektleiter des Lehrgangs. "Wir haben gute Kontakte zur Branche und versuchen unsere Schützlinge auch unterzubringen, wenn sie es explizit wünschen."

Großes Interesse besteht an den neuen Lehrgängen, die im kommenden November auf Burg Lockenhaus starten werden, nicht nur im Inland: Immerhin hat sich neben Touristikern aus Tirol, Salzburg und Vorarlberg auch schon eine Studentin aus Tschechien angemeldet. (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe, 27./28.9.2003)

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    Die 500 Schilling Silbergedenkmünze aus dem Jahr 1999 ist der "Burg Lockenhaus" gewidmet - Nun ist die Burg Schauplatz des neuen Tourismusmanager- Lehrgangs

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