Bolivien: Verletzte bei Studentendemo

3. Oktober 2003, 14:14
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Proteste gegen Export von Erdgas in die USA - Gewerkschaft ruft Mitglieder auf, sich zu bewaffnen

La Paz - Bei Zusammenstößen zwischen Studenten und Polizisten sind in der bolivianischen Hauptstadt La Paz mindestens zehn Menschen verletzt worden. Außerdem gab es bei den seit Tagen andauernden Protesten gegen den von der Regierung geplanten Export von Erdgas über das benachbarte Chile nach Mexiko und in die USA am Mittwoch mindestens vier Festnahmen. Zu den Verletzten zählte unbestätigten Berichten zufolge auch ein von Polizeimunition getroffener Journalist. Am Morgen war bereits ein Bauer der Bewegung der Landlosen (MST) durch Schüsse der Sicherheitskräfte an einer Straßensperre 50 Kilometer südlich von La Paz schwer verletzt worden.

Arbeitergewerkschaft soll sich mit Stöcken und Steinen bewaffnen

Der Führer der Arbeitergewerkschaft COB, Jaime Solares, rief die Gewerkschaftsmitglieder auf, sich gegen die "mörderischen Kugeln" der Regierung von Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada mit Stöcken und Steinen zu bewaffnen. Wie Solares forderte auch Bauernführer Felipe Quispe den Rücktritt des Staatschefs. Er drohte außerdem damit, große Gebiete in den Anden für autonom zu erklären.

Kritik an Erdgas-Export

Die bolivianischen Bauern und Gewerkschafter kritisieren die Entscheidung der Regierung zur Ausfuhr von Erdgas. Sie werfen der Regierung einen "Ausverkauf des nationalen Reichtums" vor und kritisieren die ihrer Ansicht nach zu geringen Gewinnspannen für den Andenstaat. Außerdem protestieren sie dagegen, dass das Gas nicht über Peru, sondern über Chile exportiert werden soll. Durch einen Krieg gegen das Nachbarland Chile Ende des 19. Jahrhunderts hatte das seinerzeit mit Peru verbündete Bolivien seinen Zugang zum Meer verloren. Bolivien und Chile unterhalten seit einem Viertel Jahrhundert keine diplomatischen Beziehungen. Mitte September waren bei bewaffneten Zusammenstößen zwischen Bauern und Sicherheitskräften in dem Andendorf Warisata nördlich von La Paz mehrere Menschen getötet worden. (APA)

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    Fleischereiarbeiter entzünden einen Sarg, der die Regierung symbolisieren soll. Der angekündigte Generalstreik betraf hauptsächlich die Hauptstadt La Paz. Dort kam es auch zu Zusammenstößen zwischen Studenten und der Polizei.

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