Musikrundschau

9. Oktober 2003, 18:14
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IGGY POP Skull Ring, BUBBA SPARXXX Deliverance und BLACK EYED PEAS Elephunk

IGGY POP Skull Ring (Virgin) Nach langen Jahren mäßig inspirierter Alben hatte man sich von Punk-Übervater Iggy Pop im Vorfelde von Skull Ring eigentlich mehr erwartet. Immerhin gastieren hier auf drei Songs die zwei noch lebenden Mitglieder seiner legendären Band The Stooges, Ron und Scott Asheton. Immerhin interpretiert Iggy Pop auch Rock Show, ein Lied der Berliner Electropunkerin Peaches, die sich mit ihm auch durch Motor Inn hechelt. Dass allerdings mit berechnendem Blick auf ein junges Publikum die US-Abziehbild-Pop-Punker Green Day und Sum 41 gebucht wurden, schlägt ebenso negativ zu Buche wie jene abgedroschenen Klischees, die der Altmeister mit seiner Stammband The Trolls drischt: Perverts In The Sun, Private Hell, Dead Rock Star . . . Einzig der an eine kaputte Version seines Mentors David Bowie erinnernde Tragöden-Blues von Inferiority Complex erinnert hier noch an alte Größe. Manche Leute altern auch in schlechtem Sinn. Und: das Peter-Gunn-Motiv so platt zu kopieren wie im Titelsong des Albums, ist spätestens seit den Blues Brothers streng verboten. Eine ganz große Enttäuschung.


BUBBA SPARXXX Deliverance (Interscope) Bubba Sparks brachte uns 2001 auf seinem Debüt Dark Days, Bright Nights gemeinsam mit dem visionären, von Missy Elliott bekannten Produzenten Timbaland nahe, dass auch stiernackige weiße Milchbrote aus dem US-Süden rappen können. Abgesehen von Videos, in den mit Hausschweinen gerangelt wird und blöden Fotoposen des Meisters mit Schießgewehr und Schlachtermesser hält sich der Hinterwäldlerfaktor jetzt auch auf dem Nachfolger Deliverance in Grenzen. Musikalisch wird hier der guten alten Country-Musik, den jammernden Bratlgeigen und den quengelnden Banjos, der ultramoderne, urbane Rhythmus-Sound einer elektronischen Rappelkiste entgegen gehalten. Das Treffen zweier Welten - und es rockt! Textlich erfahren wir allerdings nur ein weiteres Mal, dass Bubba erstens wieder da ist, weil er zweitens gar nie weg war und drittens auf jeden Fall bleiben will, weil er aus dem Süden kommt. Ob man das allerdings wirklich wissen will, geht aufgrund der mangelnden Aufmerksamkeitsspanne bezüglich der Sprachbarriere zwischen Deutsch und Englisch Gott sei Dank in den lustig quiekenden Computerklängen unter.


BLACK EYED PEAS Elephunk (Interscope) Mit Justin Timberlake als Gast haben sich die HipHop-Eklektiker aus Los Angeles für Where Is The Love zwar einen Hit auf Nummer sicher gebucht. Das dritte Album der Truppe fällt wegen seiner vielen Zutaten zwischen Pop, Funk, Latin, Dancehall und Soul aber etwas beliebig aus. Und die Nu-Metaller von Papa Roach hätte man sich definitiv sparen können. (schach, DER STANDARD, rondo 03/10/2003)

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