Das Cindy-Crawford-Ding

9. Oktober 2003, 14:32
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Zum Beginn der London Fashion Week präsentierte die Uhrenfirma Omega eine neue Werbekampagne. Und Omega-Model Cindy Crawford ihre ersten eigenen Fotos

Cindy Crawford stellt zum ersten Mal eigene Fotos aus. Selbst gemacht, selbst auf den Auslöser gedrückt. "Wirklich nichts Besonderes," meint der 37-jährige Superstar unter der im Aussterben begriffenen Spezies der Supermodels. "Ich bin einfach irgendwie beim Shooting mitgeschwommen und hab' halt geknipst." Das "Shooting" war für die Schweizer Uhrenmarke Omega, fotografiert hat Altmeister Arthur Elgort, die Models (von Omega "Ambassadors" genannt): James Bond-Darsteller Pierce Brosnan, Tennisspielerin Anna Kournikova und eben Cindy Crawford.

Wenn sich Cindy Crawford in Understatement übt, ist das ebenso unbegründet wie verständlich. Denn: Die Fotos sind gut. Ein bisschen Jürgen Teller, ein bisschen moderne Verwackeltheit, die in so vielen Werbekampagnen und redaktionellen Fotostrecken an die Stelle von Gelacktheit und Ausloten der technischen Möglichkeiten getreten ist. Aber sie seien - wie gesagt - Zufallsprodukte mit Hilfe einer Digitalkamera, die es ermöglicht, ohne großen Aufwand tonnenweise Bilder aufzunehmen und bei Nichtgefallen sofort zu verwerfen. Und dann gab's natürlich noch die Beratung des großzügigen Arthur Elgort ("Ihre Bilder sind viel besser als meine.").

Andererseits ist sie vorsichtig mit der Proklamation von Karriereschritten oder kreativen Wünschen. Mit ihrer Rolle in dem Film Fair Game hat sie schon einmal heftige Kritiken kassiert. Heute sieht sie das pragmatisch: "Ich bin da nicht naiv. Das Model, das Schauspielerin werden will. Da hat man schlechte Karten. "

Cindy Crawford arbeitet schon länger nicht mehr regelmäßig auf dem Laufsteg. Sie hat zwei kleine Kinder und eine Firma, die sich etwa um die Vermarktung der Fitness-Videos, um Werbeverträge und um Charity-Einsätze kümmert.

Das Supermodel-Image ist wie ein Wintermantel aus den 90er-Jahren, der noch im nächsten Jahrzehnt wärmt. Sie nennt es das "Cindy-Crawford-Ding". Der Job, wie CC auszusehen und zu sprechen und früher einmal gemeinsam mit Claudia, Linda, Naomi der weltweite Glamour-Hauptversorgungsstrang gewesen zu sein. Er besteht darin, bei Pressekonferenzen auch die banalsten Fragen ausführlich zu beantworten, bei Interviews so zu sitzen, dass das Licht die 37 Lenze herunterspielt und in jeder Situation so auszusehen, als hätte der Visagist eben noch Hand angelegt.

Es gibt Jüngere, ebenso Schöne in der Model-Branche, aber keine hat als Anwärterin auf den Supermodel-Thron aufgezeigt. Braucht die Welt keine Supermodels mehr? Wahrscheinlich nicht, meint Cindy Crawford. "In den Neunzigern gab's eine Phase, in der die Hollywood-Schauspielerinnen eher in Sack und Asche gingen und wir in dieses Vakuum gestoßen sind. Wenn Naomi, Linda und ich bei Versace auf dem Laufsteg gingen, waren wir alle Stars. Der Designer, wir und alle anderen, die dabei waren." Mittlerweile hat Hollywood sein angestammtes Recht auf Glamour reklamiert. "Die haben ihre Kommunikations-Abteilungen aktiviert und die viel wuchtigeren PR-Maschinen gestartet. Da hatte die Mode dann das Nachsehen," meint auch Arthur Elgort. Denn Supermodel-taugliche Mädchen gebe es natürlich.

Aber um eigene Schnappschüsse in einer Vernissage vorzustellen und auf dem bloßen Namen eine Welt-Karriere aufzubauen, braucht es außer Schönheit und Professionalität auch ein gewogenes Schicksal, damit so etwas entsteht wie das Cindy-Crawford-Ding. (B.L. , DER STANDARD, rondo/04/10/2003)

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