Druck auf Junge und Ältere wächst

9. Oktober 2003, 09:24
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Im September gab es mit 208.502 wieder mehr Arbeitslose - Besonders betroffen waren Jugendliche, Akademiker und 45- bis 50-Jährige

Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich bleibt auf hohem Niveau. Mit 208.502 Arbeitslosen wurde heuer der höchste September-Wert der vergangenen 20 Jahre erreicht. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Arbeitslosigkeit um 4,4 Prozent oder 8722 Jobsuchende zu. Gegenüber August stieg die Zahl der Arbeitssuchenden um 1,7 Prozent oder 3425 Betroffene, gab das Arbeitsmarktservice (AMS) am Donnerstag bekannt.

Rechnet man zu den offiziellen Arbeitslosenzahlen die derzeit in Schulung befindlichen 39.672 (+6,2 Prozent) Jobsuchenden dazu, waren im September in Österreich insgesamt 248.174 Personen auf Arbeitssuche. Besonders betroffen waren Jugendliche und die Gruppe der 45- bis 50-Jährigen (plus 5,1 Prozent).

Öffentlicher Dienst Den prozentuell kräftigsten Zuwachs gab es bei den Akademikern und zwar um 16,9 Prozent auf 1285 Uni- und Fachhochschulabsolventen. Hedwig Lutz vom Wifo meinte, dass sich bei den Akademikern auch der Aufnahmestopp des öffentlichen Dienstes durchschlägt. Und IHS-Experte Helmut Hofer betonte, dass es sich bei den Akademikern um "kleine Größen handelt". Es sei aber doch so, dass man in dieser Sparte früher eben keine Arbeitslosigkeit kannte.

Stark betroffen von der Arbeitslosigkeit sind laut Hofer die den 19- bis 24-Jährigen. Hier stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 9,3 Prozent auf 32.852. Insgesamt waren 38.127 Jugendliche auf Arbeitssuche.

"Administrative Faktoren"

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich zwar im September gegenüber dem Vorjahr um 27.820 auf 3,224.344 Personen. Doch ein wesentlicher Teil ist auf "administrative Faktoren zurückzuführen", wie Lutz und Hofer zugeben. Rechnet man die Karenzgeldbezieher und Präsenzdiener heraus, stieg die Beschäftigung im Jahresvergleich lediglich um 12.554 Personen.

Rechnet man davon noch jene heraus, die in Altersteilzeit, aber de facto nicht mehr aktiv sind (weil geblockt wurde), sowie jenen Teil der öffentlich Bediensteten die erst seit Jahresbeginn bei den Beschäftigten mitgezählt werden, so bleibt der tatsächliche Beschäftigtenzuwachs mehr als gering, erläutert Lutz. Hofer ergänzt: "Die Job-Creation ist sehr gering." In den regionalen AMS-Geschäftsstellen waren im September 22.238 Jobs gemeldet, das waren um 5,9 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Baubranche weiter Sorgenkind

Wie im Vormonat ist die Arbeitslosigkeit in Oberösterreich -2,8 Prozent), Kärnten (-2,2 Prozent) und der Steiermark (-0,5 Prozent) rückläufig. Über dem Vorjahresniveau war man in Niederösterreich (+0,5 Prozent), im Burgenland (+1 Prozent), in Salzburg (+3,5 Prozent), Tirol (+5,4 Prozent), Wien (+11,2 Prozent) und, besonders markant, in Vorarlberg mit einem Plus von 12,3 Prozent.

In der Baubranche ist die Arbeitslosigkeit auf 24.462 leicht gestiegen. Im Handel gab es einen Zuwachs um 1090 auf 38.719, im Fremdenverkehr um 1121 auf 29.061. (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.10.2003)

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