One übt heftige Kritik an Handy-Parken in Wien

13. Oktober 2003, 10:28
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Bang-Jensen: Mobilkom wird bevorzugt

Seit 1. Oktober 2003 ist m-parking - die Bezahlung der Parkscheingebühr mittels Handy-SMS - in Wien in Kraft (der WebStandard berichtete), nun regt sich Widerstand an der Abwicklung des Bezahlsystems. Laut dem Chef des drittgrößten österreichischen Handynetzbetreibers One, Jorgen Bang-Jensen, sei das System in erster Linie dazu angetan, "die Marketingaktivitäten von Mitbewerber Mobilkom Austria zu fördern". Außerdem würden Mobilkom-Kunden bei der Abrechnung bevorzugt und es sei weiters unüblich, öffentliche Dienste nicht über eine 0820-Nummer, sondern über die Mobilkom-Vorwahl 0664 abzuwickeln.

Offene Plattform für alle Bewerber

"Mobilkom hat bei der Ausschreibung der Stadt Wien gewonnen, das ist überhaupt nicht das Thema", so Jorgen Bang-Jensen gestern Abend gegenüber Journalisten und ergänzt: "Was wir wollen ist eine offene Plattform für alle Netzbetreiber, die den Nutzern eine einfache Bedienung garantiert". Das sei derzeit nicht der Fall, weil sich Kunden anderer Netzbetreiber als der Mobilkom mit personenrelevanten Daten bei dem Handy-Bezahlsystem paybox anmelden müssten, einer 100prozentigen Tochter der Mobilkom.

Kritik an Bezahlsystem

Eine Bezahlung der Parkgebühr sei überdies nur für Mobilkom-Kunden auf drei Arten möglich (Kreditkarte, paybox, Handyrechnung), während die besonders bequeme Zahlung über die Handyrechung bei den Mitbewerbern nicht möglich sei. Dieser Exklusivvorteil ließe sich aber leicht beseitigen, notwendig wäre laut Bang-Jensen nur die Öffnung der standardisierten Software-Schnittstelle MIA für alle Betreiber. Damit könte eine Registrierung bei paybox entfallen.

Kundendaten werden freigegeben

Ein Dorn im Auge ist One auch das Registrierungsformular bei paybox. "Wer sich registriert, muss extra eine Vertragspassage streichen, um den Gebrauch persönlicher Daten durch Mobilkom Austria zu unterbinden", so Bang-Jensen, der darin ein Gratismarketing für den Mitbewerber mit Hilfe der Stadt Wien sieht. "Ich weiß auch warum das so ist: Wir sind in Wien bei den Privatkunden die Nummer 1 und das stört Mobilkom", macht der One-Chef seinem Ärger Luft. Man gehe aber davon aus, dass nach weiteren Gesprächen mit der Stadt Wien den Verantwortlichen die Problematik bewusst und die MIA-Schnittstelle geöffnet werde.

Bang-Jensen gibt aber zu, dass ihm derzeit für eine eigene Abrechnung noch die Banklizenz fehle. Dieses Problem werde man aber "in Kürze mit einem Partner lösen".

1800er Frequenz

Zur jüngsten Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH), der den Bescheid zur Nutzung von drei 1800er-Mobilfunk-Frequenzbänder in Wien durch die Mobilkom aufgehoben hatte, meinte Bang-Jensen: "Wenn nötig, könnten wir eine einstweilige Verfügung wegen unlauterem Wettbewerb erwirken, das überlegen wir noch. Das Thema war aber 1999 interessanter." Hintergrund ist ein Streit über die Gratis-Zuteilung der Frequenzen vor vier Jahren an die Mobilkom, die inzwischen trotz des VwGH-Urteils weiter das 1800er-Netz benutzen will.

Die neue Mobilfunkallianz rund um die britische mmO2 unter Beteiligung von One soll nach den Worten von Bang-Jensen Kooperationen in vier Bereichen ermöglichen: Roaming, Entwicklung, Marketing und Hardware-Einkauf. (APA)

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