Nordkorea: Bauen an Atombombe

3. Oktober 2003, 10:47
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Waffenfähiges Plutonium soll von 8.000 Brennstäben stammen - Außenministerium: Antwort auf "feindselige Politik" der USA

Seoul - Nordkorea hat nach eigenen Angaben rund 8.000 abgebrannten Brennstäbe wieder aufgearbeitet und setzt das daraus gewonnene Plutonium ein, um Atombomben zu bauen. Das meldete die amtliche Pjöngjanger Nachrichtenagentur KCNA unter Berufung auf das nordkoreanische Außenministerium am Donnerstag, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

"Feindselige Politik"

In der Erklärung wurde den USA vorgeworfen, eine "feindselige Politik" gegen Nordkorea zu betreiben, die eine Änderung in der Nutzung von Plutonium aus abgebrannten Brennstäben in Richtung einer "atomaren Abschreckung" zur Folge habe. Die Wiederaufarbeitung werde nötigenfalls fortgesetzt.

"Atomare Abschreckung"

Andere Nachrichtenagenturen berichteten etwas vorsichtiger. AFP und dpa meldeten lediglich, dass Nordkorea nach eigenen Angaben 8.000 abgebrannte Atombrennstäbe wiederaufbereitet hat, mit denen sich Plutonium zur Kernwaffenherstellung gewinnen lässt. Das Plutonium sei bei dem Vorgang gewonnen worden, um die "atomare Abschreckung" zu stärken.

Bis zu neun Atombomben?

Anfang der Woche hatte Nordkorea erklärt, "praktische Maßnahmen" zum Vorantreiben seines Atomprogramms ergriffen zu haben. Ziel sei die Abschreckung einer US-Invasion. Amerikanische Experten vermuteten schon bis dahin, dass Pjöngjang drei bis sechs Atomwaffen besitzen könnte. Der US-Geheimdienst geht von ein oder zwei Atomwaffen aus. Brennstäbe werden zur Herstellung von atomwaffenfähigem Plutonium benötigt. Mit den 8.000 Brennstäben könnte Nordkorea nach US-Einschätzung genügend Plutonium für sechs weitere Atombomben produzieren.

Verhandlungstaktik

Nach südkoreanischen Angaben ist Pjöngjang doch zur Fortsetzung von Gesprächen über sein Atomprogramm bereit. Die ablehnenden Äußerungen von nordkoreanischer Seite seien Teil der Verhandlungstaktik, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap Vize-Vereinigungsminister Cho Kun Shik am Donnerstag in Seoul. Eine zweite Sechser-Runde über den Atomkonflikt werde bald stattfinden. Nordkorea hatte am Dienstag bekräftigt, kein Interesse mehr an neuen Gesprächen zu haben.

Nichtangriffspakt und Wirtschaftshilfe erwünscht

Experten stimmen darin überein, dass sich Nordkorea mit dem Besitz von Atomwaffen eine bessere Verhandlungsposition verschaffen will. Pjöngjang will sein Atomwaffenprogramm nur dann aufgeben, wenn die USA einen Nichtangriffspakt unterzeichnen, Wirtschaftshilfe leisten und diplomatische Beziehungen aufnehmen. (APA/AP)

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    Nordkorea hat nach eigenen Angaben rund 8.000 abgebrannten Brennstäbe wieder aufgearbeitet und setzt das daraus gewonnene Plutonium ein, um Atombomben zu bauen.

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