Sun hat Probleme

9. Oktober 2003, 10:48
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Dramatische Umsatzrückgänge, Verluste und ein Absturz an der Börse - nun zieht der Konzern, "bisher zu fein", in die Preisschlacht

Für die boomende New Economy galt Sun Microsystems mit seinen leistungsstarken (und teuren) Servern als Haus- und Hoflieferant. Dementsprechend traf der Crash der Dotcom-Wirtschaft Sun in den letzten Jahren besonders hart: Dramatische Umsatzrückgänge, Verluste und ein Absturz der Aktie von rund 65 US-Dollar (August 2000) auf zuletzt rund 3,5 US-Dollar waren die Folge.

Zu teuer

Häufig wird für die anhaltenden Schwierigkeiten des Herstellers, wieder Fuß zu fassen, seiner teuren eigenen Technologie die Schuld gegeben. Aber gerade die eigene Schlüsseltechnologie sei das Fundament des Comebacks, bekräftigte der deutsche Sun-Chef Helmut Wilke bei einem internationalen Journalistengespräch in Barcelona. "Wir haben mehr als alle anderen vom Dotcom-Boom profitiert, von dem Geld leben wir heute noch", preist Wilke die konservative Veranlagungsstrategie der Firma. Sun verfüge über 5,7 Mrd. Dollar an liquiden Reserven und investiere fast zwei Mrd. Dollar jährlich in Entwicklung. Trotz Verluste sei der Cashflow stets positiv geblieben. Das Problem? "Die Überkapazitäten der Maschinen aus der Dotcom-Zeit sind noch alle im Markt."

"Atmodische Technologie-Company"

Zwar bietet Sun inzwischen auch Linux und Intel statt Sparc und Solaris an. Aber im Gegensatz zu Dell, "ein Retailer für Intel", sieht sich Sun als "altmodische Technologie-Company, die Geld in Innovationen investiert. Das ist die Garantie für langfristiges Wachstum", sagt Wilke. Dabei hat sich jedoch der Schwerpunkt der Forschung von High End auf Kosten sparende Technologie verlagert: Inzwischen bietet Sun Sparc-Server billiger als Dell an. "Wir gehen in die Preisschlacht rein, das ist neu für Sun, da waren wir bisher zu fein für."

"Wenn es keine neuen Anwendungen gibt, braucht man keine neuen Server."

Dennoch bleibe der Servermarkt ein schwieriges Geschäftsfeld, konzidiert Wilke: "Die Leistungen gehen jährlich rauf. Wenn es keine neuen Anwendungen gibt, braucht man keine neuen Server." Kosten will man den Unternehmen darum künftig mit N1 sparen: der Fähigkeit, auch Hunderte Server wie einen einzigen Computer bedienen zu können.(Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 2. Oktober 2003)

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    Sun-Chef Scott McNealy

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