Wien-Mitte: Ende und neuer Anfang der Debatte

5. Oktober 2003, 20:24
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Ein neues Konzept für den Bahnhof - Spätestens nächste Woche wird der Leider-nicht-nun-doch-Bau wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen

Wien - Noch ist es in der Debatte zu Wien-Mitte ruhig. Spätestens nächste Woche aber wird der Leider-nicht-nun-doch-Bau wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Am 8. Oktober werden die neuen Pläne für die Bahnhofsüberbauung präsentiert. Am selben Tag findet zuvor die abschließende Jurysitzung statt, in der entschieden wird, welches Raumordnungskonzept umgesetzt werden soll.

Höhe wird festgelegt

Damit wird auf den Tisch gelegt, welche Gebäude mit welcher Nutzung und vor allem in welcher Höhe am Bahnhof Wien-Mitte entstehen sollen. Details zur Architektur werden dann später erarbeitet.

Umstrittene Überbauung des Bahnhofs scheiterte an der Höhe

Zur Erinnerung: Die umstrittene Überbauung des Bahnhofs scheiterte an der Höhe. Vier bis zu 97 Meter hohe Türme waren geplant. Einer wurde realisiert: Der kürzlich als Justizzentrum (das in der Riemergasse angesiedelte Handels- und Bezirksgericht übersiedelte dorthin) eröffnete. Die Baugesellschaft Porr AG, aus der Arge Wien-Mitte ausgestiegen, zog den Bau mit der Immofinanz durch. Heute stößt sich kaum jemand an dem 87 Meter hohen Justizturm nahe der Welterbezone.

Das Welterbe in der Inneren Stadt war den Kritikern immer wichtigstes Argument gegen den Bau. Letztlich drohte sogar die Unesco, auf Betreiben ihres Welterbebeirats Icomos, Wien das Welterbeprädikat abzuerkennen.

Zum Scheitern des Projekts trug auch bei, dass es auf Basis der Daten rosiger Wirtschaftszeiten konzipiert worden war. Zum Schluss war klar, dass es - auch wegen der Pachtwünsche der ÖBB für ihr Grundstück - nicht rentabel sein würde. Die ÖBB wollen weiterhin für ihr attraktives innerstädtisches Bahnhofsgrundstück eine gute Pacht erzielen. Nach dem der Investor, die Bauträger Austria Immobilien (B.A.I.), aufgrund des allseits hohen Drucks das Projekt aufgab, war der Weg frei für eine Neukonzeption.

Alles klar im Welterbe

Die Unesco bleibt nun dabei: Die Wiener Innenstadt ist welterbewürdig. Die entsprechende Urkunde wird der Stadt Mitte Oktober verliehen. Klar ist auch, dass Investor B.A.I. dabei bleibt. "Natürlich" werde die als Partner der Stadt fungieren, erklärt Wiens Baudirektor Arnold Klotz im STANDARD-Gespräch. Seitens der B.A.I. bestätigt auch Projektleiter Harald Butter den Verbleib seines Unternehmens als Investor.

Auch seitens der Sonae Immobiliare habe er die Zusage, dass man wieder mitmachen wolle, erklärt Planungsdirektor Klotz weiter. Sonae ist jenes portugiesische Unternehmen, dass auf die Errichtung von Einkaufszentren spezialisiert, jenes am Bahnhof Wien-Mitte errichten wird.(Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 2.10.2003)

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    "Wien-Mitte" - Blick aus dem 17. Stock der "City Tower Vienna" -Baustelle in Richtung Prater

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