"Du siehst gut aus, wenn du traurig bist"

7. Oktober 2003, 00:20
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Der britische Popsänger Lloyd Cole gastierte endlich, "after only 15 years", wieder in Wien

Wien - Etwas sehr allein saß er auf der Bühne des Wiener Gasometers: In weißem Hemd, schwarzen Hosen und mit trockenem Humor präsentierte sich Lloyd Cole "after only 15 years" wieder einmal seinen österreichischen Fans. Und zwar als "warm-up act" für Heather Nova, die im Anschluss ihr aktuelles Album Storm als länglich verabreichtes Sedativ präsentieren sollte.

Grund genug also, das Augenmerk ganz auf den britischen Pop-Barden mit Lebensmittelpunkt an der amerikanischen Ostküste zu legen. Die bald zwei Jahrzehnte andauernde Klasse dieses beseelten Songwriters ließ die Weite der Bühne auch bald vergessen: Cole präsentierte an der akustischen Gitarre einen kleinen Querschnitt seines Werks.

Säuerlich

Der Mann mit dem Gesicht, das immer leicht säuerlich wirkt, demonstrierte dabei eindrücklich jene Aspekte seiner Person, die Fans an ihm schätzen und lieben, die ihn andererseits jedoch daran gehindert haben, größer zu werden, als er heute ist.

Kurz: Cole war immer zu altklug. Heute erweist sich dieser Wesenszug längst als facettenreiche Weisheit, die gepaart mit einem belesenen Zynismus mit der Oberflächlichkeit des Pop-Business als weitgehend inkompatibel erscheinen muss.

1984 debütierte Cole mit seiner Band, den Commotions, und dem Album Rattlesnakes. Charakterisiert war dieses von scharfsinnigem Songwriting sowie dem damals in England populären Einfluss von Soul. Nach einigen erfolgreichen Alben wie Easy Pieces, das der Welt die Hits Lost Weekend und Brand New Friend bescherte, ging Cole nach New York. Zwar erspielte er sich in den USA eine bis heute treue Gefolgschaft, der angestrebte Durchbruch zum ganz großen Star sollte ihm jedoch verwehrt bleiben.

Deshalb lassen sich Zeilen wie "rather than company, I prefer cigarettes" - zu finden auf der eben erschienenen CD Music In A Foreign Language auch bitter autobiografisch lesen. Zu dieser Sichtweise passt auch eine Coverversion von Nick Caves People Ain't No Good - ebenfalls auf dem Album enthalten.

Die darin verströmte Misanthropie steht jedoch in Gegensatz zu seiner sympathischen Bühnenpräsenz. Zwar klingen Aussagen wie "If you want to leave me baby, be my guest" oder "you look so good when you're depressed" hart, im Kern ist Cole natürlich weich und warmherzig.

Live standen immergrüne Songs wie Are You Ready To Be Heartbroken gleichwertig neben neuem Material wie My Other Life oder No More Love Songs. Zeitlos und doch der Vergänglichkeit verpflichtet. Wie sang Cole so wunderbar: "Faith is never easy when you're young". Höchste Zeit also, diesem Mann endlich Glauben zu schenken.
(DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2003)

Von Karl Fluch
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Lloyd Cole Music In A Foreign Language(Sanctuary/Zomba)Link   lloydcole.com
    foto: zomba

    Lloyd Cole
    Music In A Foreign Language
    (Sanctuary/Zomba)

    Link

    lloydcole.com

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