Düstere Unfallbilanz: 429 Tote

10. Oktober 2003, 15:46
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Seit Jahren war die Zahl der Verkehrstoten nicht mehr so hoch wie heuer - besonders ein katastrophaler Juni hat die Verkehrsstatistik negativ beeinflusst - Mit Kommentar

Wien - Im Mai war die Welt noch in Ordnung. "Nur" 150 Tote im Straßenverkehr zwischen Jänner und März bedeuteten damals die niedrigste Zahl seit zehn Jahren. Die Bilanz hat sich nun völlig umgekehrt: Im ersten Halbjahr 2003 gab es mit 429 Getöteten ein Plus um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein verheerender Juni ist Schuld an der Trendumkehr - erstmals seit 1999 steigt die Zahl der Toten wieder an.

Am Mittwoch präsentierten die Statistik Austria, das Innen- und das Verkehrsministerium sowie das Kuratorium für Verkehrssicherheit gemeinsam die in nüchterne Zahlen gegossenen Tragödien, die sich zwischen Jänner und Juni auf den heimischen Straßen abgespielt haben.

Grundsätzlich erfreulich: Die Zahl der Unfälle insgesamt ist um 1,7 Prozent auf 19.152 zurückgegangen. Auch die Zahl der Verletzten sank, mit 25.191 waren es um 2,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Für den Anstieg der Zahl der Toten sind mehrere Faktoren verantwortlich: Einerseits ein verheerender Juni, in dem es mit 109 Getöteten gleich um 30 Prozent mehr gab als im Vorjahr. Warum dies so ist, wissen die Experten nicht genau. Durch das schöne Wetter sei es auf den Straßen zwar lebhafter zugegangen, den überdurchschnittlichen Anstieg scheint das aber nicht zu erklären. Auch die regionalen Unterschiede sind beträchtlich: Während in der Steiermark die Zahl der Verkehrstoten um 70 Prozent in die Höhe schnellte, ging sie in Kärnten gleich um 40 Prozent zurück.

Viele Kinder Opfer

Für Kinder war das erste Halbjahr auf der Straße ebenfalls lebensgefährlich: Mit 20 Todesopfern hat sich heuer der langjährige Schnitt von elf fast verdoppelt. Mehr als die Hälfte der getöteten Kinder war als Autobeifahrer unterwegs.

Alko-Bilanz

Alarmiert sind die Experten auch von der Alko-Bilanz: Um beinahe fünf Prozent mehr Unfälle unter Alkoholeinfluss gab es bis Ende Juni, 1873 Menschen wurden dabei verletzt oder getötet. Im Innenministerium betrachtet man diese Entwicklung mit Sorge, wenngleich man betont, dass die Zahl der Alko-Kontrollen ständig steige.

Strasser für "Entrümpelung" der Führerscheinausbildung

Dennoch ist es laut Innenminister Ernst Strasser (VP) für die Exekutive schwierig, "Hochrisikolenker" aus dem Verkehr zu ziehen. Er plädierte aber gemeinsam mit Verkehrsminister Hubert Gorbach (FP) auch für eine "Entrümpelung" der Führerscheinausbildung und für verstärkte Bewusstseinsbildung bei Kindern und Jugendlichen. Gorbach kann sich auch Schülerbesuche in Unfallstationen vorstellen, um abschreckende Wirkung zu erzielen.

Die beiden Autofahrerklubs ÖAMTC und ARBÖ sind grundsätzlich auch für verstärkte Bewusstseinsbildung, fordern aber eine rasche Umsetzung. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2003)

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