Gründerzeithäuser: Die Sanierung boomt

6. Oktober 2003, 17:36
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In Wien gibt es 120.000 Substandard-Wohnungen - In die Sanierung fließen Milliardenbeträge, ein Leitfaden garantiert den Überblick

Wien - Fast die Hälfte des Wiener Wohnbestandes von 920.000 Wohnungen ist älter als 60 Jahre. Rund 120.000 Wohnungen sind noch Substandardwohnungen, ohne Wasser und WC, berichtet Michaela Trojan vom Wiener Bodenbereitstellungsfonds bei der Buchpräsentation "Sanieren in Wien".

Aus Substandard wird Standard

Ziel der Sanierungen sei es, diesen Anteil zu reduzieren, meint Trojan und schränkte ein, dass der Anteil der Hauptwohnsitze bei den Substandardwohnungen unter 100.000 liegt. Einfach deshalb, weil viele ein Haus am Land gebaut haben und sich die billige Wohnung mit rund 60 Cent/m² behalten. Kommt es zu einer Sockelsanierung und wird auch die Substandardwohnung auf Standard angehoben, so steigt die Miete auf zwei Euro/m².

Eine Sockelsanierung dauert fünf bis acht Monate, sagte Thomas Malloth, Präsident der Verbandes der Immobilientreuhänder. Die Investitionskosten für die Sockelsanierung bezifferte er mit 1000 bis 1200 Euro/m². Inklusive Zubau (Dach) dürfen die Baukosten laut Förderung maximal 1380 Euro/m² betragen. Wien schießt im Schnitt 50 Prozent der Kosten zu.

Gute Ziegel, gutes Bauholz

Die Häuser, die jetzt mittels Sockelsanierung gefördert werden, wurden zwischen 1900 und 1914 errichtet, sagte Baumeister Herbert Karst vom Wiener Bodenbereitstellungsfonds. Das beweist die gute Bausubstanz, eine Mischung aus Ziegelqualität vom Wienerberg und gutem Bauholz. Außerdem wurde beim Mörteln sehr viel Kalk weggelassen, der Mörtel zwischen den Ziegeln blieb also recht sandig. Der Vorteil: Die Häuser haben die Stöße und Detonationen im Krieg gut überstanden. Nach der Sanierung halten Gründerzeithäuser noch einmal 100 Jahre, glaubt Karst.

Seit Beginn der Sockel-, Block- und Totalsanierung 1985 wurden in Wien 4130 Förderanträge bewilligt, wodurch ein Sanierungsvolumen von 3,7 Mrd. Euro ausgelöst wurde. 2,7 Mrd. Euro flossen an Zuschüssen des Landes in die Erneuerung von Objekten mit rund 200.000 Wohnungen. Heuer unterstützt Wien ein Bauvolumen von 250 Mio. Euro, speziell für die Sockelsanierung und die Thermisch- Energetische Wohnhaussanierung (Thewosan), die seit dem Jahr 2000 zur Erreichung des Kioto-Ziels installiert wurde.

Thewosan-Sanierung ein Renner

Die Thewosan-Sanierung, die bei nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Wohnhäusern angewandt wird, "erweist sich - wo mittlerweile die Heizkosten unnötig verpulvert werden - in Wien als Renner", so die Erfahrung Trojans. Nach der Sanierung ersparen sich die Wohnungsnutzer 50 Prozent der Heizkosten. Bisher wurden bereits 35.000 Wohnungen thermisch saniert. Das Investitionsvolumen bei der Thewosan-Sanierung seit 2000 bezifferte Trojan mit 300 Mio. Euro, 90 Mio. Euro schoss Wien an Förderung zu. (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.10.2003)

Info

"Sanieren in Wien, Ein Leitfaden" Karst/Malloth/Trojan ISBN 3-902266-02-3, Loseblatt, 69,90 Euro

  • Sanierung boomt: Stufe für Stufe von der Substandard- zur Standardwohnung.
    montage: derstandard.at

    Sanierung boomt: Stufe für Stufe von der Substandard- zur Standardwohnung.

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