Dichand-Ausstieg bei "Krone" für Dichand junior "nicht vorstellbar"

18. Oktober 2003, 10:05
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Börsegang als Ausweg aus Konflikt mit WAZ: "'Kronen Zeitung' als Volksaktie"

Ein Ausstieg der Familie Dichand aus der "Kronen Zeitung" ist für "Krone"-Chefredakteur Christoph Dichand "nicht vorstellbar". Dies erklärt der Sohn von Hans Dichand in einem Interview mit der Info-Illustrierten "News". Als eine mögliche Lösung des aktuellen "Zeitungskrieges" zwischen Dichands und der deutschen WAZ - die beiden Partner halten je 50 Prozent an Österreichs größter Tageszeitung - schlägt Dichand junior einen Börsengang der "Krone" vor. Dafür würden auch die Dichands Anteile abgeben.

"In unabhängiger, österreichischer Hand"

"Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Kronen Zeitung besteht darin, dass sie in unabhängiger, österreichischer Hand ist. Dafür stehe ich wie mein Vater", wird Christoph Dichand weiter zitiert. "Die 'Kronen Zeitung' als Volksaktie, die ihren Lesern gehört, wäre eine interessante Lösung." In der aktuellen Auseinandersetzung gehe es um den Einfluss auf die "Krone" und deren Unabhängigkeit. "Dafür ist es wert zu kämpfen. Die WAZ betont zwar, dass sie keinen deutschen Chefredakteur einsetzen würde, aber was wäre schon ein Österreicher von deutschen Gnaden", so Dichand junior in "News".

"Beledeidigend"

Den deutschen Partnern wirft der "Krone"-Chefredakteur vor, dass die WAZ entgegen ihrer Ankündigung, sich in redaktionelle Belange nicht einzumischen, immer wieder inhaltliche Kritik ausrichten lässt. "Einmal passt die Blattlinie nicht, dann ist von einer erforderlichen Neupositionierung die Rede. Zuletzt wurde die 'Krone' von der WAZ als Boulevardblatt bezeichnet." Es sei "beleidigend, die 'Krone'-Mitarbeiter als Boulevardjournalisten abzuqualifizieren".

Er selbst sei der WAZ seiner Meinung nach ein Dorn im Auge, weil er stark genug sei, Einflüsterungen aus Essen zu widerstehen, so Christoph Dichand. WAZ-Manager Erich Schumann habe bereits in Gesellschaftersitzungen erfahren, "dass ich ihn nicht in allen Bereichen für einen Experten halte, insbesondere beim Einstieg der WAZ in Libro/Lion, wo er falsch gelegen ist. Das hat er mir wohl übel genommen".

Christoph Dichand über seine Gehaltsvorstellungen

Dass seine Gehaltsvorstellungen überzogen seien, weist Dichand junior erneut zurück. "Es geht nicht um meine persönlichen Vorstellungen, sondern um die Position des Chefredakteurs der 'Kronen Zeitung', die einen Wert darstellt. Sie kann sicher nicht schlechter entlohnt werden als vergleichbare Positionen im Konzern." Dass etwa der langjährige Dichand-Weggefährte und jetzige WAZ-Statthalter in Österreich, Friedrich "Bibi" Dragon, für seine "Krone"-Tätigkeit in den vergangenen zehn Jahren einen dreistelligen Millionen-Schilling-Betrag erhalten haben soll, "habe ich auch schon gehört", so der junge Dichand. (APA)

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