ÖIAG: Voest-Verkauf "feines Geschäft zum richtigen Zeitpunkt "

3. Oktober 2003, 19:29
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Guter Mischpreis von 35 bis 36 Euro - Politischer Wille, strategischen Investor auszuscheiden, "hatte seinen Preis"

Wien - Aus Sicht der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG war der vor knapp zwei Wochen vollzogene Verkauf von voestalpine-Anteilen allen kritischen Stimmen zum Trotz ein feines Geschäft zum richtigen Zeitpunkt. Vorwürfe, die Aktien sein verscherbelt worden, lässt ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch nicht gelten: "Mit der Börsenplatzierung und der Umtauschanleihe haben wir einen guten Mischpreis von 35 bis 36 Euro pro Aktie erzielt, der um 24 Prozent über dem Durchschnittskurs der letzten zwei Jahre liegt."

Sein Vorstandskollege Peter Michaelis räumt freilich ein: "Bei einem strategischen Investor hätten wir sehr viel mehr bekommen." Als Richtwert werden rund 50 Euro je Aktie genannt. Einen "Strategen" aus dem Projekt auszuscheiden, sei aber politischer Wille gewesen. "Und das hatte eben seinen Preis", so Michaelis.

"Nur Börsengang möglich"

Nachdem auch einer Beschränkung des Verkaufs auf inländische Finanzinvestoren von Brüssel abgeraten wurde, "blieb uns nur der Börsengang". Den dabei erzielten Verkaufspreis von 32,50 Euro pro Aktie verteidigt das ÖIAG-Vorstandsduo mit dem Hinweis, damit seien immerhin rund 80 Prozent des Buchwerts erlöst worden. Bei Stahlaktien würden im Vergleich dazu vielmehr Kurse von 30 bis 40 Prozent des Buchwerts (etwa bei Corus oder Salzgitter) als branchenüblich gelten, wie auch bereits IHS-Chef Bernhard Felderer festgestellt hatte.

Zu der von SPÖ-Seite vorgebrachten Kritik, beim Börsenverkauf der Voest-Aktien seien wegen des höher liegenden Buchwerts rund 80 Mio. Euro verschenkt worden, hält Wieltsch außerdem fest: "Für Aktienkurse gibt es nur einen 'wahren' Wert, und das ist der Börsenkurs." Dass der Kurs vor dem SPO etwas ins Straucheln kam, bezeichnet Wieltsch als Ergebnis der "außergewöhnlichen politischen Begleitmusik" vor der oberösterreichischen Landtagswahl.

Emissionspreis unter dem Dreijahreshoch

Zwar liegen die 32,50 Euro unter dem Dreijahreshoch vom Juni (rund 37 Euro), Wieltsch zufolge allerdings rund 42 Prozent über dem Startkurs zu Jahresbeginn und rund 67 Prozent über dem Kurs im März, bevor die ÖIAG den Privatisierungsauftrag erhielt.

In ihren eigenen Büchern hat die Staatsholding das Voest-Aktienpaket (34,7 Prozent) zu 90 Prozent mit "nur" 17,227 Euro und zu 10 Prozent mit 32,50 Euro aus der Kapitalerhöhung im April 2002 stehen.

Privatisierungsgewinn

Wie Wieltsch vorrechnet, lukriert die ÖIAG aus der Börsenplatzierung einen Privatisierungsgewinn von rund 85 Mio. Euro, mit dem entsprechend den Vorgaben des ÖIAG-Gesetzes Schulden und das nachrangige Gesellschafterdarlehen der Republik getilgt werden müssen. Der "cashwirksame Buchwert" aus der Transaktion (rund 154 Mio. Euro) kann laut Wieltsch zur Deckung der alten PTBG-Schulden oder auch etwa für Dividendenzahlungen verwendet werden. Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat der ÖIAG insgesamt 300 Mio. Euro Sonderdividende für 2002 und 2003 abverlangt. Den aktuellen Nettoschuldenstand der ÖIAG beziffert Wieltsch nach der Voest-Privatisierung mit rund 1,6 Mrd. Euro nach zuvor 1,9 Mrd. Euro. Sollte die Umtauschanleihe in drei Jahren planmäßig mit Aktien getilgt werden, so würden sich zusätzlich rund 103 Mio. Euro Privatisierungsgewinn und rund 139 Mio. Euro cashwirksamer Buchwert ergeben, die dann zur Schuldentilgung herangezogen werden können.

Zur Umtauschanleihe, die auf 15 Prozent der Voest-Aktien zu einem Wandelpreis von 41,275 Euro begeben wurde, merkt Michaelis an, dass die Entscheidung, die Privatisierung mit einer kombinierten Transaktion aus Börsengang und Anleihe abzuwickeln, schon im Juli gefallen sei. Hätte man den gesamten 34,7 Prozent-Anteil an die Börse gebracht, hätte das wegen des starken Aktienüberhangs wohl negative Auswirkungen auf den Börsenkurs gehabt. Mit der gewählten Mischform gingen letztlich 19,7 Prozent an die Börse.

Österreichische Kernaktionärsstruktur

Mit der Umtauschanleihe sei es auch gelungen, die vom Gesetzgeber geforderte österreichische Kernaktionärsstruktur zu sichern. Für drei Jahre - die gesamte Laufzeit - hält die ÖIAG noch 15 Prozent. Inklusive der Aktien der Voest-Mitarbeiterstiftung, die auf 10,3 Prozent aufgestockt hat, ergibt sich somit eine rechnerische Sperrminorität von mehr als 25 Prozent.

Wieltsch und Michaelis betrachten die voestalpine-Staatsanteile als zur Gänze verkauft. Beide wollen sich nach eigenen Aussagen bei der nächsten ordentlichen voestalpine-Hauptversammlung im Juli 2004 aus dem Aufsichtsrat des Linzer Stahlkonzerns zurückziehen.(APA)

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