"Section Control": Tausende Raser ungestraft

9. Oktober 2003, 11:06
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Wegen einem Softwareproblem im Innenministerium können 18.000 Tempoüberschreitungen nicht bearbeitet werden

Ihre Hauptaufgabe, die Temporeduktion, erfüllt die "Section Control" im Wiener Kaisermühlentunnel auf der Donauuferautobahn (A22) laut Experten einwandfrei. Unbelehrbare Tempobolzer konnten allerdings noch nicht bestraft werden. Grund dafür ist ein Softwareproblem im Innenministerium, erklärte der Projektleiter Otto Ludwig vom Amt der Wiener Landesregierung auf APA-Anfrage. Rund 18.000 Fälle mit einer Gesamtstrafhöhe von rund 40.000 Euro konnten noch nicht bearbeitet werden.

Probleme mit digitalen Bildern

Das Problem liegt laut Ludwig bei der Schnittstelle des Auswerte- und Bearbeitungssystems in der Rossauer Kaserne. Jene Firma, die die Software betreut, habe Probleme mit digital gelieferten Bildern. Aus diesem Grund komme es auch immer wieder zu Verzögerungen mit einem digitalen Fixradar, das auf der Adalbert Stifter Straße in Wien-Brigittenau installiert wurde, so der Experte.

"Kinderkrankheiten"

Innenminister Ernst Strasser (V) bezeichnete diese Verzögerung am Rande einer Pressekonferenz als "Kinderkrankheiten". Wichtig sei zunächst gewesen, dass durch die Section Control die Geschwindigkeiten deutlich eingedämmt wurden. Die Bearbeitung der Strafbescheide sollte sich in der dafür vorgesehenen Zeit auf jeden Fall ausgehen; Verkehrssünder dürften nicht auf eine Verjährung hoffen.

"Das Ziel war nicht das Abkassieren"

Für den Errichter der Anlage, der Asfinag, sind die technischen Probleme noch nicht dramatisch, so Unternehmenssprecher Harald Dirnbacher. "Das Ziel war ja eine Maßnahme zur Hebung der Verkehrssicherheit, nicht das Abkassieren", und das habe in den ersten sechs Wochen seit Aktivierung funktioniert. Allerdings wurde die Speicherkapazität von rund 20.000 Tempoüberschreitungen auf 80.000 erweitert.

Ludwig hat mittlerweile kein Verständnis für die Schwierigkeiten: "Die Anlage funktioniert, da kann es nicht an der Software scheitern". Daher ist eine Besprechung mit allen Beteiligten geplant. Kostenvoranschläge von anderen Firmen zur Lösung dieses Schnittstellenchaos hat der Projektleiter jedenfalls schon eingeholt. (APA)

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