Schlaf als Waffe gegen (Brust-)Krebs

1. Oktober 2003, 13:56
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Ausreichender Schlaf gilt nicht nur als Schönheitsmittel, er kann auch bei der Bekämpfung von Tumoren helfen

New York - Schlaf macht nicht nur schön, wie der Volksmund sagt, er ist nach Erkenntnis von US-ForscherInnen auch ein wirkungsvolles Mittel gegen Krebs. David Spiegel und KollegInnen von der Stanford-Universität in Palo Alto/Kalifornien beschreiben in der Oktoberausgabe des Fachjournals "Brain, Behavior, and Immunity", wie Schlaf KrebspatientInnen bei der Bekämpfung von Tumoren helfen kann.

Melatonin und Cortisol

Generell "beeinflussen psychosoziale Faktoren das Verhalten eines Menschen", schreibt das Team. Schlaf bewirke aber noch weitaus mehr. Er steuere die hormonelle Balance im Körper. Der als "zirkadianische Rhythmus" bekannte Zyklus von Schlaf und Wachsein greift laut Spiegel und KollegInnen vor allem über zwei Hormone, Melatonin und Cortisol, in die Abläufe ein.

Melatonin wird während des Schlafs vom Gehirn produziert. Es gehört zu den so genannten Antioxidationsstoffen im Körper und wirkt wie ein Schwamm für jene gesundheitsschädlichen Moleküle, die als freie Radikale bekannt sind. Freie Radikale attackieren das Erbgut DNA in den Körperzellen und können krebsfördernde Mutationen hervorrufen.

Nachtarbeiterinnen gefährdet

Melatonin bremst darüber hinaus die Produktion des Hormons Östrogen in den Eierstöcken. Es gibt Hinweise darauf, dass Östrogen unter bestimmten Umständen Krebs fördern könnte. Bei Frauen, die in der Nacht arbeiten, sei die Melatoninproduktion im Gehirn beeinträchtigt, erläutern die ForscherInnen. Ohne Melatonin-Bremse könnten die Eierstöcke ungehindert Östrogen ausschütten und vor allem jene Frauen gefährden, die bereits an Brust- oder Eierstockkrebs leiden.

Gestörter Cortisol-Zyklus

Die zweite Verbindung zwischen Krebs und Schlafmangel sieht das ForscherInnen-Team im Cortisol. Dieses Hormon reguliere die körpereigenen Abwehrkräfte, vor allem die Aktivität Krebs bekämpfender Immunzellen, die als "natürliche Killerzellen" bekannt sind. Cortisol wird vor allem am frühen Morgen ausgeschüttet. Seine Produktion nimmt im Verlauf des Tages nach und nach ab. Eine Störung dieses Ablaufs beraube den Körper seiner Fähigkeit, sich gegen Tumorzellen zu wehren, schreibt das Team. Spiegel selbst hatte in einer früheren Studie gefunden, dass Brustkrebs-Patientinnen eher starben, wenn ihr Cortisol-Zyklus gestört war und statt am frühen Morgen erst am Nachmittag auf Hochtouren lief. (APA)

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    Bei Frauen, die in der Nacht arbeiten, sei die Melatoninproduktion im Gehirn beeinträchtigt - die Gefahr von Brust- und Eierstockkrebs steige an.
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