Mailänder Farbrausch

12. Jänner 2000, 18:25

Männermodeschauen Herbst/Winter 2000/01

Foto: APA/Reuters
Im Bild: "Heavy Metal" von Jean Paul Gaultier. Hier geht's zum Laufsteg. Von Moschino zu Westwood.

Mailand - Italien verneigt sich vor England und dankt für die modische Inspiration. Nach dem Abschluss der Mailänder Männerdefilees Herbst-Winter 2000/01 am Mittwochabend mit Giorgio Armanis Vorführung bleibt die Gewissheit, dass es wieder chic ist, "tailor-made" zu gehen. Mailand begeht die Auferstehung des kompletten Outfits, Anzüge, oft sogar als Dreiteiler, Hemd und Krawatte, letztere auch wieder mit Muster, und dazu ein Staubmantel, ein Trenchcoat, einen Blouson fürs Lässige.

"Beat-Chic", "aufgeräumt" oder "spartanisch"

Die Saville Row, die Londoner Adresse für Maßanfertigung, erlebt gerade eine neue Blüte und Burberry-Muster sind der Renner beim modischen Trendsetter auf der Straße. England ist in. Die Zeitungen feiern Pradas "Beat-Chic" oder vermuten den neuen Gucci-Mann in einem Aston Martin. Die Kollektionen wirkten insgesamt sehr aufgeräumt, Gucci hat keinen Glitzer mehr, Jil Sander ließ die vor einem halben Jahr erstmals gezeigten Muster wieder verschwinden, bei Dolce & Gabbana, die sonst gern ihre Modenschau als großes Fest sehen, ging es dieses Mal eher spartanisch zu.

Viel "Understatement"

Insgesamt gab es sehr viel "Understatement" in Mailand. Das ist der eine Trend, der andere heißt Farbe. Mann wird im nächsten Winter wieder sichtbar, eine gute Nachricht nach all dem Grau, das für die aktuelle Saison trist in den Schaufenstern hing. Etro ist einer der nachhaltigsten Vertreter dieser Botschaft. Es fängt mit handgestrickten bunten Mützen im peruanischen Stil an, wandert weiter über Pullover im Norweger-Muster und Paisley-Sakkos, rosa oder grüne Hosen und endet schließlich am Schuh. Dort wird es knallbunt: rote Schottenkaros, Patchwork, gebunden mit neon-leuchtenden Schuhbändern.

Moschino: Rote Plastik-Herzen oder aufgesteckte Blüten zieren Nadelstreifen

Laura Biagiotti holte sich ihre Anleihen aus der Natur. Von dort griff sie vor allem Grün von Farn über Kaktus auf und bereicherte es mit Fuchsia oder Orange. Moschino kombiniert eine wuchtige pinkfarbene Steppjacke mit einem roten Pullover und einer Hose in Orange. Das Thema Anzug interpretiert das Modehaus gewohnt ironisch, rote Plastik-Herzen oder aufgesteckte Blüten zieren Nadelstreifen. Iceberg zeigte Schal, Handschuhe und Rollkragenpullover im farbeinheitlichen Dreier-Pack, Pink etwa oder Fuchsia, mischt aber auch farbübergreifend, Orange mit Grün oder Orange mit Lila.

Cividini tritt mit leuchtendem Blau, Rosarot, Gelb und Pastelltönen an. Platin-Sicherheitsnadeln am Hemdkragen und quer gestreifte Krawatten sind die Schmuckstücke zum Look. Strickpullover funktionieren als Weste, dazu gibt es schwarze Samthosen und Duffle-Coats aus grünem Loden.

"Black is back"

"Black is back" bei Calvin Klein. Der amerikanische Designer konzipierte seine am Mittwoch vorgeführte Kollektion fast durchgehend Schwarz, selbst seine Farben wie Tabakbraun oder Mitternachtsblau wirken "eingeschwärzt". Die totale Zurückhaltung also, unspektakulär wie auch die Modelle selbst. Einreihige Sakkos werden mit zwei Knöpfen geschlossen, Hemdknöpfe verstecken sich hinter Leisten, Blousons sind ein starkes Thema, viel auch in Leder. Muster haben bei Klein keine Chance, auch Krawatten sind immer uni. (APA/dpa)

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