Haltungsfehler: Jedes dritte Vorschulkind sitzt krumm

5. Oktober 2003, 21:18
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Kinder sitzen zuviel und falsch - "Bewegte Schule" könnte Wirbelsäulen -Probleme verbessern

Linz - Fachärzte für Orthopädie schlagen jetzt Alarm: Jedes dritte Kind im Vorschulalter weist heute schon einen Haltungsfehler auf. Kinder sitzen zuviel und falsch. Bereits 13-Jährige erleiden einen Bandscheibenvorfall. Hauptursache ist mangelnde Bewegung. Und viele Eltern erkennen das Problem nicht. Empfohlen wird unter anderem das Modell einer "bewegten Schule", wo die Kinder im Unterricht verschiedene Haltungen bis hin zum Liegen einnehmen können.

Die Fachgruppe der Orthopäden in der oberösterreichischen Ärztekammer präsentierte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch die Besorgnis erregenden Zahlen. "Die Haltungsschwächen, die bereits bei einem Drittel der Vorschulkinder auftreten, betreffen vor allem die Wirbelsäule und die Füße, aber auch Muskelverkürzungen liegen häufig vor, ebenso Fehlstellungen im Bereich der Hüft- und Schultergelenke", erläuterte der Sprecher der Orthopäden, Ernst An der Lan.

Es zeige sich, dass immer öfter bereits 20- oder 25-Jährige einen Bandscheibenvorfall erleiden, erst kürzlich musste in Oberösterreich deswegen sogar ein 13-jähriger Schüler operiert werden. Die Haltungsfehler bei den Kindern führen später bei den Erwachsenen zu gravierenden gesundheitlichen Problemen, warnen die Orthopäden. An der Lan: "Nicht zufällig sind Erkrankungen des Bewegungsapparats die häufigste Ursache für die Invaliditätspension und die zweithäufigste für Krankenstände".

Nach Ansicht der Fachärzte ist es vor allem die "Bewegungsarmut", die man bei vielen Kindern antreffe. "Ein Kind sitzt während der Pflichtschulzeit insgesamt rund 10.000 Stunden in der Klasse, da sind die Zeiten für die Hausaufgaben und vor dem Fernseher noch gar nicht mitgerechnet", so An der Lan. Erschwerend komme bei vielen Kindern noch Übergewicht dazu.

"Bewegte Schule"

Es sollte daher das Sitzen in der Schule nach Möglichkeit reduziert werden. Die Orthopäden verweisen in diesem Zusammenhang auf ein Modell in der Schweiz, das sich "bewegte Schule" nennt. "Die Schüler sitzen beispielsweise auf Bällen, sie können im Liegen lesen, bei manchen Aktivitäten kauern oder knien sie auf dem Boden des Klassenzimmers. Wie überhaupt individuelle und alternative Sitzpositionen erlaubt sind. Zwischendurch gibt es immer Dehnungs- und Entspannungsübungen", schildert An der Lan diesen Versuch in der Schweiz. Und das Überraschende dabei: In der "bewegten" Schule der geschilderten Art sei die Lernfähigkeit der Kinder signifikant gestiegen.

Untersuchungslücke

Ein Manko sehen die Orthopäden auch darin, dass es bei Kindern zwischen dem ersten und dem sechsten Lebensjahr eine "Untersuchungs-Lücke" gebe, was die Haltung und den Bewegungsapparat anlangt. Im Mutter-Kind-Pass sollte daher neben der bestehenden Untersuchung im ersten Lebensjahr später eine weitere eingeplant werden. Abgesehen davon sollten die Eltern das Kind im Vorschulalter auf jeden Fall einmal vom Facharzt untersuchen lassen. Wie übrigens auch später, nämlich wenn das Kind zehn Jahre alt ist und ein großer "Wachstumsschub" bevorsteht, raten die Orthopäden. (APA)

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    Die richtige Haltung muss gelernt werden

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