Fritz Neugebauer - Oberster Beamtenlobbyist wird ÖAAB-Chef

2. Oktober 2003, 13:19
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58-Jähriger Operettenliebhaber wird Nachfolger von Werner Fasslabend

Wien - Fritz Neugebauer (58) hat mit der Designierung zum Obmann des ÖAAB einen weiteren Meilenstein in seiner Multifunktionärs-Karriere gesetzt. Dass es der Oberste Beamte auch zum Chef des Arbeiter- und Angestelltenbunds der ÖVP schafft, ist zumindest erstaunlich. Zu verdanken hat Neugebauer dies seinem Ruf, ein gnadenlos harter Verhandler und geschickter Fädenzieher zu Gunsten seiner Lobby zu sein. Davon erhofft sich der ÖAAB nun offenbar einen Aufschwung für den größten Bund der Volkspartei, der in den letzten Jahren einen empfindlichen Bedeutungsverlust erlitten hatte.

Starker Mann der ÖVP im ÖGB

Bekannt wurde der Lehrer Neugebauer als Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) - eine Position, die ihn zum starken Mann der ÖVP im ÖGB machte. Denn die GÖD ist die einzige Gewerkschaft, in der die Volkspartei die Mehrheit hat. Dementsprechend durfte sich der Wiener Neugebauer auch Chef der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) und ÖGB-Vizepräsident nennen. Beide Funktionen wird er künftig vermutlich nicht mehr ausüben, Vorsitzender der GÖD dürfte er bleiben.

Berechenbarer Streiter

Neugebauer ist nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt eine fixe Größe im politischen Geschäft. In der ÖVP gilt er als streit-, aber auch als berechenbar. Neugebauer vertritt die Interessen seiner Lobby beinhart, ist aber als überzeugter Sozialpartner stets um einen Kompromiss am Verhandlungstisch bemüht. Dabei gilt der GÖD-Chef auch als äußerst flexibel, wenn es darum geht, das Beste für die Beamtenschaft herauszuholen. Laute Worte wechseln bei Neugebauer gern mit Freundlichkeiten für den Verhandlungspartner.

Von der Demo zur Zustimmung in wenigen Tagen

Das letzte Mal war sein taktisches Geschick bei der Pensionsreform gefordert, der Neugebauer nach Zugeständnissen für die Beamten im Parlament zustimmte, nachdem er noch wenige Tage davor an der Spitze den ÖGB-Protestzug mit angeführt hatte. Ein Verhalten, das im Gewerkschaftsbund nachhaltig für Ärger gesorgt hat. VP-Chef Wolfgang Schüssel dürfte mit Neugebauer zwar in diesem Fall zufrieden gewesen sein, trotzdem galt der GÖD-Vorsitzende nicht unbedingt als sein Wunschkandidat im ÖAAB. Leise Töne wie in den letzten Jahren unter Werner Fasslabend wird es von Neugebauer sicher nicht geben.

Multi-Funktionen

Geboren wurde Neugebauer am 10. Oktober 1944 in Wien. Nach seiner Lehramtsprüfung in den Fächern Deutsch, Geschichte/Sozialkunde und Geographie/Wirtschaftskunde begann er seine berufliche Karriere als Pädagoge an Volks-, Hauptschulen und Polytechnischen Lehrgängen. Nach diversen Funktionen in der Lehrergewerkschaft wurde er 1989 zum stellvertretenden Vorsitzenden der GÖD. 1991 erhielt er dann schon den Vorsitz in der FCG, 1997 löste Neugebauer dann den legendären Siegfried Dohr als Beamtenchef ab. Seit der letzten Wahl sitzt er auch fix im Nationalrat.

Neugebauer ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. Als seine größten Hobbys gelten das Motorradfahren und seine Leidenschaft für die Operette. (APA)

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    Neugebauer, Fritz - Bald neuer ÖAAB-Obmann

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